Berlin : Romantik adieu: Bezirke schaffen Gaslaternen ab

Ingo Bach

In Berlin sollen weitere Gaslaternen von den Straßenrändern verschwinden. Das kündigte Dirk Lamprecht, Baustadtrat des für die gesamte Straßenbeleuchtung zuständigen Bezirksamtes Mitte, gestern an. "Sie sind zu störanfällig, in der Unterhaltung zu teuer und liefern zu schwaches Licht", sagte Lamprecht auf einer Pressekonferenz. "Das ist eine Gefahr für die Verkehrssicherheit." Besonders die gasbeleuchteten Peitschenmasten an Hauptverkehrsstraßen im Berliner Südosten sollen auf Elektrolampen umgerüstet werden. Allerdings könnte dies auch manche historische Aufsatzleuchten betreffen, wenn sie sich zum Beispiel an Fußgängerüberwegen befinden.

Genaue Zahlen und die betroffenen Straßen will der Baustadtrat nicht nennen. "Wir planen noch." Früher war sowohl von den zuständigen Behörden wie auch von dem Privatunternehmen AT.Lux, das seit einem Jahr im Auftrage Berlins die Straßenbeleuchtung wartet, immer wieder betont worden, dass der Bestand von derzeit 44 000 Gaslaternen in der Stadt gesichert sei.

Auch AT.Lux klagt über die Störanfälligkeit der gasbetriebenen Beleuchtung. "Die Lampen reagieren empfindlicher aufs Wetter", sagt Eric Schweitzer, Vorstandsmitglied des Entsorgers Alba, der gemeinsam mit ThyssenKrupp die Firma AT.Lux gegründet hat. "Ein scharfer Windzug kann die Lampen ausblasen." Außerdem gebe es in Berlin viele "exotische Laternentypen", für deren Reparatur spezielle Ersatzteile extra angefertigt werden müssten.

Die Wartungstrupps von AT.Lux fahren nach eigenen Angaben die Gaslampen wöchentlich einmal nachts ab, um Störungen zu entdecken. Bei den rund 180 000 Elektrolampen reicht dagegen eine Kontrollfahrt im Quartal. Außerdem hat die Firma ein Störungstelefon unter der Nummer 4090 2220 geschaltet, wo Anwohner defekte Lampen melden können. AT.Lux garantiert, das innerhalb von fünf Werktagen die Laternen repariert werden.

Doch immer wieder klagen Anwohner, dass ausgefallene Straßenlaternen zu spät repariert würden. Alba-Chef Schweitzer weist die Verantwortung dafür anderen zu. "Oft verursachen undichte Gasleitungen oder defekte Stromkabel einen Ausfall. Und das müssen Gasag und Bewag reparieren." Und für die Beleuchtung in Grünanlagen seien die Grünflächenämter verantwortlich.

Die gestrige Pressekonferenz von AT.Lux hätte schon vor anderthalb Wochen stattfinden sollen. Wie berichtet, verbot das Bezirksamt Mitte diese jedoch. Man sei nicht informiert gewesen und man müsse erst Vorwürfen nachgehen, nach denen AT.Lux seine vertraglichen Pflichten nicht erfülle. Einer dieser Vorwürfe lautete, dass AT.Lux aus Kostengründen schwächere Birnen in Elektrolaternen einbaue. Die unterschiedlichen Leuchtstärken kämen jedoch daher, dass neue Birnen heller brennen, als ältere, begründet Alba-Vorstand Schweitzer dieses "Missverständnis". Nach einwöchigen Gesprächen zwischen Bezirksamt und AT.Lux seien jetzt alle Probleme ausgeräumt worden, sagt Mittes Baustadtrat Lamprecht.

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