ROSSFLEISCH ALS DELIKATESSE : Zu Besuch in Berlins letzter Pferdeschlachterei

Foto: Björn Kietzmann

Mag auch vorübergehend der Appetit verdorben sein: In Berlin sind die Fans von sauber verarbeitetem Pferdefleisch noch vorhanden – wenn auch nicht in großer Zahl. Seit mehr als 50 Jahren verkauft Christa Peters, geborene Bredel, Pferdefleisch. Die 70-Jährige kann sich noch erinnern, wie es in allen Bezirken Geschäfte mit diesem Angebot gab. Heute ist die in fünfter Generation betriebene Rossschlächterei Bredel in Spandau die Letzte ihrer Art in Berlin. Aus einem normalen Nahrungsmittel sei „eine Delikatesse für Liebhaber“ geworden, sagt Christa Peters. „Keine Nachfrage“, sagt unverblümter der Geschäftsführer der Fleischerinnung, Martin Stock. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei Pferdefleisch durchaus geschätzt worden. „Aber da gab es ja auch noch viel mehr Pferde in Berlin.“

Christa Peters weiß zu berichten, Pferdefleisch sei sehr gesund, kalorienarm und eiweißreich. „Selbstverständlich werden bei uns ausschließlich Pferde mit Gesundheitspass verarbeitet.“ Ein neuer Absatzmarkt hat sich in den letzten Jahren immerhin entwickelt. Aus Berlin und dem Umland pilgern Besitzer allergischer Hunde nach Spandau. Die brauchen das Fleisch, um ihre Lieblinge zu füttern. Auch wenn sie es selbst nicht herunterbrächten.

Stock hat schon Pferdesalami probiert. „Hat mir aber nicht geschmeckt, war zu trocken.“ In den Zeiten, als Diäten von der Not diktiert waren, galt das magere Pferdefleisch als Arme-Leute-Essen. Früher sei man im Hinblick auf Pferde einfach unsentimentaler gewesen, sagt Stock. Immer wieder wird nun angeführt, dass aus den einstigen Nutztieren Wesen geworden sind, die als intelligent und schön gelten und natürlich als Freunde aller Pferdefans. Isst man Freunde der eigenen Töchter und Söhne? Natürlich nicht. Die Seele sagt: Igitt.

In Berlin kennt Christa Peters genau ein Restaurant, das Pferdefleisch regulär auf der Karte hat, das „Rouladenrestaurant“ in Siemensstadt. Die meisten Gaststätten, die die Schlächterei Bredel beliefert, bereiten Pferdefleischmenüs nur für Stammkunden zu, nach Verabredung. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Elisabeth Binder

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