Berlin : Rot-Rot in Berlin: Rot-roter Knatsch

Lars von Törne

Während sich PDS und SPD auf Landesebene derzeit demonstrativ gut verstehen, knirscht es auf Bezirksebene zwischen den beiden Parteien. In Kreuzberg-Friedrichshain ist ein Streit um das Bürgermeisteramt entbrannt, der vor allem bei der SPD zu Verstimmungen geführt hat. Die bisherige Amtsinhaberin, die von der PDS gestellte und von SPD und Grünen unterstützte Psychologin Bärbel Grygier (parteilos), soll demnächst Gregor Gysis Bundestagsmandat übernehmen. Das wird frei, weil Gysi Berliner Wirtschaftssenator werden soll. Darüber, wer Grygier im Bürgermeisteramt folgen soll, gibt es jetzt handfesten Knatsch zwischen PDS, SPD und den Grünen.

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Umfrage: Flierl als Senator - Ist er der Aufgabe gewachsen? "Durch das Wahlbündnis geht ein Bruch", sagte Kreuzbergs SPD-Kreisvorsitzender Stefan Zackenfels dem Tagesspiegel am Sonntag. Bislang hatten die drei Parteien eine Zählgemeinschaft gebildet. Doch bei der Nachfolgefrage für Grygier ist es mit der Harmonie vorbei. Die PDS beansprucht das Amt weiterhin für sich, SPD und Grüne erwägen jetzt, einen eigenen Kandidaten ins Rennen zu schicken. Rechnerisch hätten beide gemeinsam eine absolute Mehrheit gegenüber der PDS, die allerdings bei der letzten Wahl die meisten Stimmen im Großbezirk holte.

Der aktuelle Streit begann am vergangenen Donnerstag, berichtet SPD-Chef Zackenfels. Da erfuhren die Partner der Zählgemeinschaft aus der "Abendschau", dass ihre Bürgermeisterin Grygier in den Bundestag rücken soll - und dass die PDS ganz selbstverständlich die bisherige Stadträtin Cornelia Reinauer als Nachfolgerin vorgesehen hat. Die Sozialisten hatten die Partner der Zählgemeinschaft darüber jedoch nicht informiert. "Die Nachricht traf uns völlig unvorbereitet", ärgert sich Zackenfels. "Das ist nicht der Umgang, den wir uns wünschen."

Ein zweites Ärgernis bescherte die PDS ihren bisherigen politischen Partnern dann am Wochenende. Da sagte PDS-Kreischefin Martina Michels einer Nachrichtenagentur, die SPD hätte den grünen Stadtrat und Ex-Bürgermeister von Kreuzberg, Franz Schulz, als Grygier-Nachfolger ins Gespräch gebracht. "Dieses Gerücht entbehrt jeglicher Grundlage", hält SPD-Mann Zackenfels dem entgegen. Er vermutet, dass die PDS die Wahlchancen potenzieller Gegenkandidaten durch verfrühte Namensnennung schmälern will. "Wir haben uns noch in keiner Form über diese Frage ausgelassen." Erst an diesem Dienstag komme der Kreisvorstand der Sozialdemokraten zusammen, um über die Personalfrage zu beraten.

Auch die Kreuzberg-Friedrichshainer Grünen beraten erst an diesem Montag, wen man künftig an der Rathausspitze sehen möchte. Das sagte Franz Schulz am Sonntag. Aus seinem Interesse am Amt macht er keinen Hehl. Ob er tatsächlich antrete, will der derzeitige Stadtentwicklungsstadtrat aber noch nicht sagen: "Es sind noch nicht ausreichend Gespräche gelaufen, um das jetzt schon zu beantworten." Allerdings sei bei der Wahl von Bärbel Grygier klar gewesen, dass damit keineswegs der PDS ein Abonnement auf das Bürgermeister-Amt gewährt wurde: "Wir haben damals ja keine Puppe gewählt, sondern eine konkrete Person mit ihren Stärken und Schwächen", sagt Schulz. Mit Grygiers Weggang sei es daher nur legitim, "dass jetzt die Parteien ein anderes Szenario betrachten".

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