Berlin : Rot-rote Eheberatung: Wowereit bei Ringstorff

Brigitte Grunert

Die Kritik an seiner Person, an seinem Partygebaren und der rot-roten Koalition hat den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit offenbar getroffen. In der SPD-Fraktionsklausur in Schwerin fiel seine Zurückhaltung auf. Doch als er gestern mit Ministerpräsident Harald Ringstorff vor die Presse trat, brach es aus Klaus Wowereit heraus: "Lächeln ist in Berlin derzeit nicht en vogue. Es gibt eine Kabinettsorder, dass alle Berliner Senatsmitglieder mit sauertöpfischen Mienen herumzulaufen haben", meinte er ironisch.

Auch Ringstorff regiert mit einer rot-roten Koalition. Er äußerte ebenso wie Wowereit, dass auf Bundesebene die Zusammenarbeit mit der PDS wegen deren Haltung zu außen- und sicherheitspolitischen Fragen "außerhalb jeder Diskussion" sei. Ringstorff sprach aber von einer Art "neuem Kraftdreieck" zwischen Berlin sowie Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, wo die SPD von der PDS toleriert wird. Er gab Wowereit den Rat zur vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der PDS. Begründung: Er habe mit der PDS gute Erfahrungen bei der Haushaltskonsolidierung gemacht und sehe eine gewisse Sozialdemokratisierung der PDS. Ausgrenzungen hätten nur zu deren Erstarken geführt: "Sie hat hier eine stabile Wählerschicht, aber sie ist nicht mehr gewachsen."

Früher, in der großen Koalition, habe er die Erfahrung gemacht: "Die CDU lässt der SPD keine Luft zum Atmen." Wowereit lächelte wieder amüsiert: "Das kommt mir alles sehr bekannt vor." Ringstorff verwies darauf, dass CDU und FDP vor der Wende im Osten auch eine Rolle gespielt hätten, aber davon rede kein Mensch: "Daran sieht man, dass die PDS nur als Keule für uns benutzt wird."

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