Rückblick aufs Wetter 2013 : Berlin ist der Eiszeit knapp entronnen

Im März 2013 war das Wetter in Berlin so ähnlich wie während der Eiszeit, haben Forscher herausgefunden. Danach bewahrte uns Westwind vor der Vereisung. Insgesamt war das Jahr sogar wärmer als der Durchschnitt.

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Weihnachten 2013: Rollerfahrt statt Schlittenfahrt.
Weihnachten 2013: Rollerfahrt statt Schlittenfahrt.Foto: dpa

Viel ist nicht mehr übrig von diesem Jahr. Eigentlich nur noch das Wetter. Und was das betrifft, wäre etwas endzeitliche Demut durchaus angebracht, statt die wohlig milde Luft gedankenlos zu verböllern. Immerhin handelt es sich um Meeresluft, die sonst oft nur mit stundenlanger Anreise zu erreichen ist. (Und dann sind alle Liegen schon belegt, aber das gehört jetzt nicht hierher.)

Meteorologen an der FU haben herausgefunden, dass die Luftströmungsverhältnisse im März 2013 denen von vor ungefähr 20 0000 Jahren ähnelten. Für die Jüngeren: Vor 20 000 Jahren war Eiszeit und unsa schönet Balin unter einem gefrorenen Panzer erstarrt. Und für die noch Jüngeren: Im März 2013 ebenfalls.

Der entscheidende Unterschied kam mit dem April, als es dann doch wieder wärmer wurde – weil milde Luft vom Atlantik den Winter zurückgedrängt hat. Mit der Rückkehr dieser sogenannten Westlage begann sich das Jahr 2013 von der Eiszeit zu unterscheiden. In der rauschten die milden Atlantiktiefs nämlich tausend Kilometer südlich vorbei. Wir sind noch mal davongekommen.

Beim Wetterdienst Meteogroup in Adlershof haben sie sonst gerade im Winter wenig Zeit, weil sie beispielsweise für die BSR jeden Schneeschauer möglichst auf die Minute und die Flocke genau vorhersagen müssen. Aber da gerade keiner in Sicht ist, konnten sie freundlicherweise für den Tagesspiegel mal das ablaufende Jahr durch den Statistomaten nudeln. Ergebnis: Der März war fast sechs Grad kälter als im langjährigen Mittel! Eine Woche vor Ostern waren es nachts am südöstlichen Stadtrand noch minus 17 Grad. Dreieinhalb Wochen später, am 18. April, begann mit 25,3 Grad bereits der meteorologische Sommer. Im Mai kühlte ihn enormer Regen, am 19. Juni krönten ihn Barack Obama und 32 Grad, die Ende Juli allerdings knapp überboten wurden. (@NSA: Die 32 Grad, nicht Obama!)

Ostern 2013: Eier im Schnee.
Ostern 2013: Eier im Schnee.Foto: dpa

Anfang August vertrieben Gewitterböen die Hitze; es wurde Herbst und blieb es irgendwie bis heute. Wahrscheinlich auch noch in den Januar hinein. Unterm Strich haben die anderen Monate mit vereinten Kräften das herausgerissen, was der März versemmelt hat: Auch das Jahr 2013 war wieder wärmer als das langjährige Mittel, nämlich 0,7 Grad. Außerdem ein wenig nasser und ein ganz kleines bisschen trüber. Urlaub auf Balkonien bleibt also wettertechnisch riskant.

Warum die Menschen aus klimatisch freundlicheren Gefilden wiederum selbst im Dezember massenhaft zu Urlaubszwecken nach Berlin strömen, wird noch recherchiert (der Praktikant wollte bei dem Niesel am Wochenende nicht raus). Bis dahin bleibt es beim Hoch auf die stabile Westlage, die uns mit Tiefs versorgt und vor haitianischen Verhältnissen bewahrt.

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