Berlin : Rückfahrt ausgeschlossen

Senatorin will Ticket für Fahrten in zwei Richtungen. Experten lehnen dies ab. Fahrschein würde zu teuer

Klaus Kurpjuweit

Die rot-rote Koalition will die Fahrpreise im Nahverkehr „sozial gerecht“ weiterentwickeln. Eine Rückfahrmöglichkeit mit dem Einzelfahrschein, wie es sich Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) vorstellen kann, gehört aber nicht dazu. Dies würde dazu führen, dass die meisten Fahrgäste einen höheren Preis ohne zusätzlichen Nutzen zahlen müssten, sagte die verkehrspolitische Sprecherin der Linksfraktion/PDS, Jutta Matuschek.

Nach Angaben eines S-Bahn-Sprechers hatten früher nur zehn bis zwölf Prozent der Kunden die Möglichkeit genutzt, mit einem Einzelfahrschein innerhalb von zwei Stunden hin und her oder auch kreuz und quer zu fahren. Das Angebot war zum 1. April 2004 abgeschafft worden. Verbunden war damit eine Preissenkung für den Einzelfahrschein in den Zonen AB von 2,20 Euro auf 2 Euro. Inzwischen kostet er 2,10 Euro. Sollten Rückfahrten wieder gestattet werden, müsste der Preis um 20 oder gar 30 Cent erhöht werden, heißt es bei der S-Bahn.

Auch Junge-Reyer sieht ihren Vorschlag nur als Denkanstoß. Vorher müssten die Folgekosten ermittelt werden, sagte gestern die Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung Manuela Damianakis. Höhere Preise für den Einzelfahrschein, wie es die Verkehrsbetriebe gewünscht hatten, waren bei der jüngsten Tarifrunde zum 1. April 2007 am Widerstand der Senatorin gescheitert.

Wie die Tarife in Zukunft gestaltet sein werden, ist noch ungewiss. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) sowie die BVG und die S-Bahn erarbeiten derzeit neue Modelle. Eingeführt würden sie frühestens in einem Jahr bei der gewünschten erneuten „Anpassung“ der Tarife.

Dabei wird auch der Renaissance der Sammelkarten, wie sie unter anderem der Fahrgastverband IGEB fordert, bei der S-Bahn wenig Chancen eingeräumt. Um Sammelkarten, die die Einzelfahrt rabattieren, und die viele Jahre üblich waren, wieder einzuführen, müssten die Automaten aufwändig umgestellt werden, sagte der S-Bahn-Sprecher. Dies würde die Kosten in die Höhe treiben. Die BVG sieht dagegen Lösungsmöglichkeiten.

Skeptisch sind die Experten in den Verkehrsunternehmen auch bei dem Vorschlag der Koalition, touristische Angebote zu verteuern, weil Besucher der Stadt bereit seien, höhere Preise für Fahrten mit Bahnen und Bussen zu akzeptieren. Würden die speziell für Touristen angebotenen Citytour- oder Welcome-Karten, die auch Preisnachlässe zum Beispiel in Museen enthalten, verteuert, würden die Besucher auf Tageskarten ausweichen, ist der S-Bahn-Sprecher überzeugt. Und dies wiederum würde Einheimische treffen, denn gut 90 Prozent der Käufer von Tageskarten kämen aus der Region.

Einig sind sich die Verantwortlichen, dass die Preise nicht mehr wie bisher einfach nur erhöht werden können. Kurze und mittellange Fahrten im Stadtgebiet sind in Berlin bereits vergleichsweise am teuersten in Deutschland. Nur Langstrecken sind billiger. Am Einheitstarif will man aber auch nicht rütteln. Die Suche nach dem idealen Tarif geht weiter.

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