Ruinen in Berlin : Die Cité Foch soll wiederbelebt werden

Übrig geblieben ist ein einsamer Bronzevogel: Die Cité Foch in Wittenau war einst Wohngebiet der französischen Alliierten. Nun soll dort wieder mehr Leben einziehen.

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Sichtbare Wurzeln: Straßenecke in der Cité Foch in Berlin.
Sichtbare Wurzeln: Straßenecke in der Cité Foch in Berlin.Foto: imago

Zwei Jahrzehnte sind vergangen, seit die Alliierten Berlin verlassen haben. In der Cité Foch in Wittenau erinnern noch die blauen Schilder und die Namen der Straßen an die einstigen Hausherren. Sonst hat sich hier seit 1994 nicht viel getan, das einst stolze Einkaufszentrum ist ebenso ein blinder Fleck wie die einst vom Bundesnachrichtendienst genutzte Abhörstation, die hinter hohen Mauern schläft.

Wer von der Hermsdorfer Straße in die Avenue Charles de Gaulle abbiegt, sieht den grauen Betonklotz des einstigen Shoppingcenters mit Graffiti übersät. Zerstörte Fensterscheiben sind mit Spanplatten vernagelt, Türen durch Gitter versperrt. Der einsame Bronzevogel davor ist symptomatischer Überrest einer Bronzeskulptur, die 1982 von Ursula Hanke-Förster als Zeichen der Freundschaft zwischen Reinickendorf und den Franzosen geschaffen wurde. Sein Kamerad wurde 2013 geklaut.

Verbliebener Vogel

Der verbliebene Vogel steht in einer braunen Brühe, die den Boden eines nicht mehr funktionstüchtigen Springbrunnens bedeckt. Er wurde mit Drahtgittern, einer Kette und einem Vorhängeschloss gesichert. Demnächst soll er einen würdigeren Standort finden, sagt Stadtentwicklungs-Stadtrat Martin Lambert (CDU).

Berlin: Eine Stadt voller Ruinen
Die letzte Ruine des ehemaligen Stralauer Glaswerks steht heute auf einer Wiese, die eingerahmt wird von schicken neuen Wohnhäusern und der Kynastbrücke am Ostkreuz.Weitere Bilder anzeigen
1 von 779Foto: Henning Onken
06.09.2017 09:36Die letzte Ruine des ehemaligen Stralauer Glaswerks steht heute auf einer Wiese, die eingerahmt wird von schicken neuen...

Etliche tausend Euro hat den Bezirk die Gebäudesicherung bereits gekostet. Schon wurden wieder neue Scheiben eingeschlagen. Vom insolventen Ex-Besitzer, der in der Schweiz lebt, wird man das Geld wohl kaum einfordern können. Hauptgläubiger ist dem Vernehmen nach die Frankfurter Vermögensverwaltung Hudson Advisors Germany. Dort will man sich unter Hinweis auf die laufende Zwangsversteigerung der Immobilie nicht äußern. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) will ihren geringen Anteil an dem Grundstück verkaufen. Ursprünglich sollte hier wieder ein Handels- und Gewerbezentrum entstehen. Lambert geht aber davon aus, dass die Ruine abgerissen wird und hier Wohnungen entstehen.

Beliebte Wohnungen

Das könnte auch auf dem Areal des Horchpostens an der Rue Montesquieu passieren. Von hier aus lauschten einst französische Geheimdienstler weit in die DDR hinein. Nach ihrem Abzug wurde der Komplex eine der ersten Außenstellen des BND im vereinten Berlin. Er wird noch immer von einer mit Stacheldraht bewehrten Mauer und einem vier Meter hohen Maschendrahtzaun umgeben. Eine bessere Zukunft könnte die marode Immobilie trotzdem haben. Die vorhandenen 456 Wohnungen in der Cité Foch sind offenbar beliebt. Nur elf stehen derzeit leer.

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