Berlin : Rundum gut verpackt

Das Märkische Viertel wird seit gestern saniert Dadurch sollen die Heizkosten deutlich sinken

Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee, der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (alle SPD) haben gestern in Reinickendorf mit der Eröffnung einer Info-Box den Umbau des Märkischen Viertels in eine moderne Wohnanlage gestartet. Wie berichtet, investiert die Wohnungsbaugesellschaft Gesobau rund 440 Millionen Euro, um die knapp 50 Jahre alte Großsiedlung auf heutiges Niveau zu bringen.

Weil sich durch die geplanten Energieeinsparungen der Heizkostenanteil von derzeit 1,55 Euro auf etwa 70 Cent pro Quadratmeter reduziert, soll die Modernisierung nur zu geringen Mieterhöhungen führen. Nach einer Musterrechnung der Gesobau beträgt die Bruttowarmmiete einer 92 Quadratmeter-Wohnung nach der Sanierung 7,53 Euro, derzeit sind es 7,39 Euro. „Wir wollen in der Stadt bezahlbaren Wohnraum haben“, sagte Klaus Wowereit.

Für Minister Tiefensee ist das Märkische Viertel „vorbildlich“ im Hinblick auf die Sanierung von Großsiedlungen in Deutschland. Den städtischen Wohnungsbaugesellschaften gehe es finanziell wesentlich besser als vor zehn Jahren, betonte Senatorin Junge-Reyer. Sie könnten wieder investieren und auch private Wohnungseigentümer könnten von ihnen etwas lernen. Die Gesobau stehe auf „sehr gesunden Füßen“, bestätigte Vorstand Jörg Franzen. So stammt der Eigenanteil an dem Investitionspaket von 35 Millionen Euro aus Rückstellungen. Der Restbetrag wird mit zinsgünstigen Krediten aus dem Wohnraum-Modersinierungs- und CO2-Gebäudesanierungsprogramm der KfW-Bank finanziert.

Nachdem bereits 2007 die ersten 400 Wohnungen am Eichhorster Weg saniert wurden, folgt jetzt der erste große Abschnitt mit insgesamt 3200 Wohnungen. Insgesamt sollen innerhalb von acht Jahren etwa 13 000 Wohneinheiten umgebaut werden. Die nicht mehr zeitgemäßen Ein-Rohr-Heizungen und die Stromleitungen werden ebenso ausgetauscht wie die Fenster. Dazu erhalten die Häuser rundum gedämmte Gebäudehüllen. Der für Neubauten geltende Standard nach der Energie-Einsparverordnung wird so noch um 30 bis 50 Prozent unterschritten. Wegen der Erneuerung der Leitungen müssen auch die Bäder komplett ersetzt werden. Bei den neuen Wand- und Bodenfliesen können die Mieter jeweils unter vier Varianten wählen. Die Arbeiten in den Wohnungen sollen auf jeweils 14 Tage beschränkt bleiben, in Härtefällen gibt es Ersatzwohnungen.

Die Müllabwurfschächte in den Häusern werden stillgelegt, weil sie keine Abfalltrennung erlauben. Ein Teil der Wohnungen wird für ältere und behinderte Menschen so gestaltet, dass Barieren wegfallen. Die Eingangsbereiche der Gebäude erhalten eine verbesserte Beleuchtung und, wo technisch möglich, eine Videoüberwachung. Verwinkelte Ecken werden beseitigt, Mit Vattenfall wird der Bau eines Heizkraftwerkes auf Biomasse-Basis geprüft. Zur Umfeldverbesserung soll das Märkische Viertel in das Senatsprogramm „Stadtumbau West“ aufgenommen werden. du-

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