• S-Bahn baut Fahrradständer: So sollen an jeder der 163 Stationen bis zu 300 Räder parken können

Berlin : S-Bahn baut Fahrradständer: So sollen an jeder der 163 Stationen bis zu 300 Räder parken können

Jörn Hasselmann

Die S-Bahn will in den kommenden vier Jahren an allen 163 Stationen Abstellanlagen für Fahrräder anbieten. Das sagte S-Bahn-Chef Günter Ruppert gestern bei der Übergabe des 1000. Fahrradständers am S-Bahnhof Ahrensfelde. Derzeit lassen sich nur an 19 Stationen Räder geordnet abstellen. Je nach vorhandener Fläche sollen die neuen Anlagen Platz für 20 bis 300 Räder haben. Dazu wurden alle Bezirksbürgermeister angeschrieben und um Flächen gebeten.

Die S-Bahn will mit den zum Teil überdachten Ständern mehr Fahrgäste in die Züge locken und der steigenden Zahl von Rädern im Zug entgegenwirken. Vier Prozent der werktäglich eine Million Fahrgäste, also 40 000, nehmen ihr Zweirad mit in den Waggon, "diese Zahl von 1998 steigt stetig", sagte Ruppert.

Fahrradclub-Chef Michael Föge, der gleichzeitig Fahrradbeauftragter des Landes Berlin ist, lobte die Initiative der S-Bahn. Die Kombination Rad und Bahn sei eine hervorragende Möglichkeit, den Anteil des Fahrrades am Verkehr zu steigern. Derzeit werden knapp 10 Prozent der Fahrten in der Stadt mit dem Rad zurückgelegt. Der Wert 9,8 Prozent ergab sich aus der BVG-Haushaltsbefragung von Sommer 1998; bislang war die Verkehrsverwaltung nur von sechs Prozent ausgegangen. 25 Prozent seien in Berlin möglich und anzustreben, sagte Föge. Die S-Bahn will jährlich eine Million Mark in "Bike & Ride" investieren. Die Anlage in Ahrensfelde war mit 205 000 Mark für 140 Plätze teurer, allerdings ist in der Summe auch die Pflasterung des Platzes enthalten. Schon gestern Mittag waren alle Plätze belegt, Dutzende Fahrräder waren immer noch an Geländer, Bäume und Schilder gekettet. Marzahns Bürgermeister Harald Buttler sagte eine schnelle Genehmigung für eine Erweiterung zu.

Derzeit entsteht in Eichwalde der mit 326 größte Rad-Parkplatz im S-Bahn-Netz. Ruppert lobte das Land Brandenburg für die finanzielle Förderung. Die S-Bahn hofft, dass sich auch Berlin zu einer Förderung entschließt. Föge sagte, dass Marzahn immer noch der einzige Bezirk in Berlin sei, der sich verpflichtet habe, zehn Prozent der Mittel für den Tiefbaubereich für die Förderung des Fahrrades zu nutzen.

Die S-Bahn räumte ein, dass der Test mit abschließbaren, aber gebührenpflichtigen Containern für Räder gescheitert sei. "Die Räder wurden überall abgeschlossen, nur nicht in den Boxen", sagte Ruppert. Gemeinsam mit dem Land will die Bahn das Problem der "Wracks" an den Ständern prinzipiell lösen. Am S-Bahnhof Schöneberg zum Beispiel sind derzeit mindestens sechs der etwa 60 Plätze durch schrottreife Drahtesel blockiert. Noch wüster ist der Zustand am Bahnhof Zoo, dort wurden dutzende "vergessen". Die S-Bahn will künftig die Räder markieren und nach einiger Zeit wegräumen.

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