Berlin : S-Bahn: Weiter Behinderungen

Jörg-Peter Rau

Die Berliner S-Bahn kann trotz leerer öffentlicher Kassen ihre ehrgeizige Generalsanierung zum Abschluss bringen. S-Bahn-Chef Günter Ruppert sagte am Freitagabend beim Sprechtag für interessierte Kunden, dass Verkehrs- und Finanzministerium an der Zusage der nötigen Fördermilliarden festhalten. Sein Unternehmen sei auch organisatorisch in der Lage, die Grundsanierung des Netzes über die Bühne zu bringen. "Bis 2007, spätestens bis 2010", so Ruppert weiter, werden seit der Wiedervereinigung rund acht Milliarden Mark in das Streckennetz geflossen sein. In neue Züge werden dann weitere 2,2 Milliarden Mark investiert worden sein.

Die Kehrseite der Medaille: Auf Jahre hinaus müssen die Fahrgäste mit weiteren Sperrungen, Pendel- und Ersatzverkehr rechnen. Im kommenden Jahr soll es vor allem nochmals die Benutzer der Linie S 1 von Wannsee nach Oranienburg treffen. Dass im Bahnhof Friedrichstraße nun endlich auch der untere Bahnsteig an der Nord-Süd-Bahn in Ordnung gebracht wird, sagte Ruppert für das Jahr 2002 fest zu. 12,6 Millionen Mark sollen hier investiert werden, damit die Fahrgäste der Linien S 1, 2, 25 und 26 ähnlichen Komfort vorfinden wie die Benutzer der darüber liegenden Stadtbahn bereits seit Jahren.

Weil auch am Anhalter Bahnhof noch saniert werden muss und Weichen in die Strecke eingebaut werden müssen, bereiteten Günter Ruppert und Eberhard Lorenz, verantwortlich für den Betrieb, die Fahrgäste vorsichtig auf eine neuerliche komplette Einstellung des Betriebs vor. Ohne klare Aussage mussten dagegen diejenigen nach Hause gehen, die sich seit Jahren vehement für den Wiederaufbau des Bahnhofs Kolonnenstraße in Schöneberg einsetzen. Wenn dort etwas passiert, soll ein späterer viergleisiger Ausbau immerhin gleich mit vorbereitet werden - damit die Linie S 21 vom Nordring zum Lehrter Stadtbahnhof irgendwann unter dem Tiergarten hindurch nach Süden verlängert werden kann.

Teils deutliche Kritik von einem ansonsten ausgesprochen wohlwollenden und großen Publikum mussten die S-Bahn-Verantwortlichen für die neue Linienführung am Nordkreuz einstecken. Viele Fahrgäste, die bis zum vergangenen Wochenende ohne Umsteigen vom Südosten in den Nordosten fahren konnten, müssten nun zweimal umsteigen, bemängelte Christfried Tschepe, stellvertretender Vorsitzender des Fahrgastverbandes IGEB. Als weiteres Vorhaben nannte Günter Ruppert die überfällige Sanierung des Bahnhofs Ostkreuz nach der Schließung des Nordrings im Juni 2002.

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