S-Bahn : Wowereit hat mit dem Bahnchef viel zu klären

Das derzeit komplizierte Verhältnis zwischen dem Unternehmen Bahn und der Stadt Berlin sollte am Montag wieder etwas entspannt werden. S-Bahn-Chaos, fehlende BBI-Anbindung: Beim Gipfeltreffen von Bahnchef und Regierendem Bürgermeister soll es auch um Grundsätzliches gehen.

Klaus Kurpjuweit

BerlinDer Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und der neue Bahnchef Rüdiger Grube hatten gleich nach dessen Amtsübernahme Anfang Mai ein Treffen vereinbart. Vorwiegend sollte es dabei um den Schienenanschluss zum künftigen Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) in Schönefeld gehen. Jetzt kommen die Probleme mit der S-Bahn hinzu, die den Nahverkehr der Stadt seit fast zwei Wochen strapazieren, weil nur noch knapp die Hälfe der Fahrzeuge einsetzbar ist. Kurzfristige Lösungen kann die Bahn nicht anbieten.

Spannend ist, ob es Wowereit gelingen wird, Grube vom Plan, die Bahn um jeden Preis „börsenfähig“ zu machen, abzubringen. Dem Börsengang hatte auch die SPD zugestimmt. Unter Vorgänger Hartmut Mehdorn wurde die Berliner S-Bahn vom Konzern richtig ausgepresst, um schöne Zahlen für die Bilanz zu erhalten. Ursprünglich sollte sie 2010 einen Gewinn in Höhe von 125,1 Millionen Euro abführen; 2008 waren es immerhin tatsächlich 56 Millionen Euro.

Die Folge: Seit dem Abschluss des Verkehrsvertrags mit dem Senat im Jahr 2004 hat die S-Bahn vier von sieben Werkstätten geschlossen, einsetzbare Fahrzeuge verschrottet und Mitarbeiter versetzt oder vergrault. Gegangen wurden oder sind vor allem Fachleute, die dem Betrieb jetzt fehlen.

Ob die S-Bahn nun wieder bei sich selbst investieren darf, wird sich zeigen. Planmäßig sollten die Investitionen von 15,4 Millionen Euro im Jahr 2006 auf nur noch drei Millionen Euro im nächsten Jahr zurückgehen.

Allerdings sind die Pläne durch das Desaster in diesem Jahr völlig aus den Fugen geraten. Die S-Bahn muss Millionensummen aufbringen, um zu schnell verschleißende Räder an ihren Zügen tauschen und die zusätzlichen Sicherheitskontrollen finanzieren zu können. Angaben zu den Gesamtkosten gibt es noch nicht; aber allein das Entschädigungsangebot mit einem Monat Freifahrt für Abonnenten und Jahreskartenkäufer wird bis zu 25 Millionen Euro kosten.

Bei denjenigen, die im Dezember ein Abonnement für den Tarifbereich ABC haben – egal, ob bei der S-Bahn, der BVG oder einem anderen Unternehmen – und den Betrag monatlich abziehen lassen, wird automatisch auf einen Monatsbeitrag verzichtet. Jahreskartenkäufer, die im Voraus bezahlt haben und als Kunde registriert sind, erhalten eine Gutschrift. Wer sich Jahreskarten ohne Nachweis besorgt hat, muss die Dezembermarke vorlegen; dann gibt es ebenfalls Geld zurück.

Ob Kunden im nächsten Jahr höhere Preise zahlen müssen, ist dagegen noch nicht entschieden. Bevor die S-Bahn wieder regulär fährt, will man darüber nicht reden. Damit ist eine Preiserhöhung Anfang 2010 so gut wie ausgeschlossen. Mitte des Jahres könnte sie dann aber kommen. Finanzsenator Ulrich Nußbaum hat es schon gefordert.

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