Berlin : Saubere Sache: Reinigungsfirma "Putzmunter"

Henning Steier

Friedrichshain-Kreuzberg. Renate Künast hat auch schon Bekanntschaft mit dem Mopp der putzmunteren Frauen gemacht. Seitdem die Grüne Ministerin ist, hat sie nicht mehr viel Zeit zum Putzen und ist seitdem Kundin der Kreuzberger Firma "Putzmunter". Die Ministerin gehört mit ihrem ordentlichen Salär zu den typischen Kunden des Unternehmens. "Ein Stundensatz von 30 Mark plus Mehrwertsteuer ist für Tante Emma zu teuer", sagt Geschäftsführerin Birgit Arkenstetter. "Obwohl", schränkt sie ein, "unser erster Kunde war ein Student aus Mitte. Der lässt noch immer ein Mal im Monat seine Wohnung drei Stunden lang blitz und blank putzen."

"Eigentlich sind wir eine Reinigungsfirma mit angeschlossener Wäscherei und weiteren Dienstleistungen im Angebot", sagt die Geschäftsführerin, "aber um uns Reinigungsfirma nennen zu dürfen, müssten wir laut Handwerksordnung einen Meister beschäftigen, am liebsten natürlich eine Meisterin." Meisterinnen seien aber spärlich gesät. Ganze drei seien ihr bekannt. So nennt sich die Firma "Bügelanstalt für Herrenoberbekleidung" und bietet "Reinigung nach Hausfrauenart" an.

Und das durchaus erfolgreich: Seit der Gründung Ende 1997 hat die Putzmunter GmbH rund 140 Kunden gewonnen. "Allein im letzten Monat kamen zehn hinzu", berichtet Betriebsleiterin Petra Schütt. Nach bürokratischen Hürden kam das junge Unternehmen vor allem seit dem Umzug der Regierung nach Berlin in Schwung.

Spätestens seit diverser Putzfrauen-Affären ist die berühmte "schwarze Perle" nicht mehr en vogue, so Birgit Arkenstetter. Bei der Kreuzberger Firma werden die Mitarbeiterinnen - Männer gibt es nicht - nach Tarif bezahlt und erhalten Urlaub. In der 39-Stunden-Woche kommen die "Reinigerinnen" auf einen durchschnittlichen Monatslohn von 2100 Mark netto.

Werbung hat die Firma nicht nötig. "Der beste Werbeträger sind unsere beiden bunt beschrifteten Autos", erzählt Petra Schütt. "Wer bügelt Ihre Hemden?" und "Wer putzt Ihre Wohnung?", steht darauf. "Manchmal rufen sogar Kunden an und erzählen, dass sie gerade im Stau stehen und sich genau diese Frage gestellt haben."

Zurzeit erhält allerdings nicht mehr jeder eine positive Antwort. Die Nachfrage wächst dem kleinen Unternehmen über den Kopf. Geschäftsführerin Arkenstetter könnte "im nächsten Monat fünf neue Mitarbeiterinnen einstellen". Aber gute "Reinigerinnen" sind schwer zu finden. Denn der Job erfordert neben körperlicher Belastbarkeit auch ein hohes Maß an Organisationstalent. Schließlich müssen die Mitarbeiterinnen nicht nur putzen, sondern auch quer durch die ganze Stadt fahren und unter anderem auch Einkäufe erledigen.

Im vergangenen Jahr erzielte "Putzmunter" 600 000 Mark Umsatz. Für dieses Jahr rechnet Birgit Arkenstetter mit einer Verdopplung des Umsatzes. "Vielleicht machen wir in diesem Jahr sogar einen kleinen Gewinn", sagt die Geschäftsführerin. Noch belasten die anfänglichen Investitionskosten von 150 000 Mark den Etat. In fünf Jahren möchte sie ein Unternehmen mit 150 Mitarbeitern leiten. "Ein Börsengang ist aber nicht geplant", sagt die ehemalige Lehrerin für Deutsch und Geschichte und lächelt, "Shareholder Value interessiert mich nicht die Bohne!"

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