Berlin : Schau’n mer mal

Werbegag: Geld zurück für Fernseher, wenn Deutschland Europameister wird

Stefan Jacobs

„Sagen Sie mal, was muss man denn machen, wenn man so einen Fernseher von Ihrer Werbung kaufen will?“, fragt der Kunde den Verkäufer im Mediamarkt an der Pankstraße. „Sie bekommen einfach einen Zusatzbeleg, mit dem Sie sich den Kaufpreis erstatten lassen können, sobald Deutschland Europameister ist“, erklärt der. „Aha“, sagt der Kunde. „Und was muss man machen, damit Deutschland Europameister wird?“ Der Mann lacht, der Verkäufer wendet sich dem nächsten Kunden zu.

Es ist ziemlich voll an diesem Dienstag in der TV-Abteilung. Die Werbeaktion der Elektronikmarktkette gilt nur an diesem einen Tag – und zwar für alle Fernseher von der 99-Euro-Flimmerkiste bis zum Plasma-Heimkino für 6900 Euro: Gewinnt Deutschland die Fußball-EM, wird der Kaufpreis erstattet. Deshalb haben sich alle, die vielleicht mal irgendwann einen neuen Fernseher gebrauchen könnten, auf den Weg gemacht. „Es ist zehn Mal so viel los wie sonst“, sagt ein Verkäufer, der gerade selbst mit einem Kollegen Deutschlands Chancen diskutiert – und für minimal befunden – hatte. Zwar können weder er noch der Verkaufsleiter Zahlen nennen, aber sie sind sich sicher, dass heute manche Laube aufgerüstet und mancher EM-bedingte Ehekrach verhindert wird – denn der Trend geht zum Zweitfernseher, wenn man ihn vielleicht geschenkt bekommt. Manche Kunden sind bei dieser Aussicht auch bereit, etwas mehr auszugeben. Ein junges Paar lässt sich gerade ein Gerät für 1999 Euro erklären. „Bei dem können Sie auch mal ein bisschen lauter drehen, ohne dass es klingt, als wenn eine Ziege auf einen Blecheimer pinkelt“, sagt der Verkäufer. Die Kunden nicken verständnisvoll.

Jonas Findeisen braucht solche Beratung nicht. Der 20-Jährige kennt sich aus – auch mit Fußball. Deshalb investieren er und seine Freundin lieber nicht zu viel Geld in ihren neuen Fernseher. „Wenn sie Glück haben, kommen sie ins Viertelfinale. Aber wenn sie so spielen wie sonst in letzter Zeit, brauchen sie dafür schon sehr viel Glück.“ Seine Freundin kontert: „Du hast sie doch schon ewig nicht mehr spielen sehen!“ Dazu muss man wissen, dass Jonas Findeisen sich überwiegend in New York aufhält. „Die haben da ihr Football und Baseball. Die EM übertragen die nicht.“ Er hofft, dass er die Spiele auf einem mexikanischen Sender oder im Internet anschauen kann. Sonst muss ihm seine Freundin erzählen, wie es ausgegangen ist. Und was sie mit den 329 Euro macht, die er jetzt ausgeben wird und die sie sich vielleicht ja doch am 5. Juli wieder abholen kann.

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