Schauplatz BERLIN Wer?  Wo? Wann? – Das Tafelrätsel : Hexer und Fürstenliebling

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Die große „Transmutation“, von der seine Auftraggeber träumen, wird ihm nie gelingen. Schon sein Vater hatte daran gearbeitet, hat außerdem Laborgefäße, Kolben, Flaschen, Mörser, Scheideschalen gefertigt. Der Sohn kann auch das, wird Pharmazielehrling in Hamburg, wo er heiratet, dann Kammerdiener und Chemiker für einen Herzog der Region. Nach dessen Tod scheitern Versuche, sich als Apotheker und Gewürzhändler zu etablieren. In Holland lernt er, Fayencen herzustellen. Ein mitteldeutscher Fürst macht ihn zum Laborchef. Phosphor kann er auch, doch dass die „Transmutation“ nicht klappt, gefährdet seine Position. Verleumder treiben ihn nach Wittenberg, wo ein Bergbauprofessor den Nichtakademiker als Dozenten einsetzt. Er klagt, „dass es ein saurer Bissen Brot ist, von Studiosis sich zu ernähren“. Der Landesherr beruft ihn zum Laborleiter. Die zugesagten 1000 Taler bleiben aus, trotz großer Eigeninvestitionen.

Das Vertrauen des Brandenburger Kurfürsten gewinnt er bei der Entlarvung eines alchimistischen Scharlatans. Als Chef einer erfolgreichen Produktionsstätte, mit der Erzeugung eines herrlichen Materials und dessen „vollkommener“ Verarbeitung sowie als Autor des darauf bezogenen Standardwerkes profiliert er sich in der Geschichte der schönen Dinge. Die Ehefrau stirbt, wird neben St. Marien begraben; neun Monate später heiratet er eine Wriezener Bürgermeisterwitwe. Den Tod von fünf seiner sieben Kinder erlebt er, das Berufsglück hält zunächst an. Im Harz gründet er eine Companie zum Kobalt- und Wismutabbau. Der Fürst schenkt ihm eine Insel bei Berlin, auf deren Nordostzipfel heute sein Gedenkstein steht. Brauen, Backen, Branntweinerzeugung, Windmühlenbau sind ihm dort steuerfrei erlaubt. Die Bauern munkeln, er sei ein Hexer. Sein Fürst schaut ihm im Labor gern zu.

Als der Gönner stirbt, sinkt sein Stern: Alte Ausgaben werden reklamiert, zurückzahlen kann er nicht. Streit mit dem Kompagnon im Harz kommt hinzu: In seiner dortigen Grube tauscht er die Schlösser aus – und wird verhaftet. Das Gericht rehabilitiert ihn, aus der Feste Spandau wird er entlassen. Die letzte Flucht führt nach Schweden. Da wird er geadelt und optimiert den Kupferabbau. Vor 310 Jahren ist der Umtriebige auf einem Gut bei Bernau hoch verschuldet gestorben, Grabstelle unbekannt. Thomas Lackmann

Wer war’s? Wo steht sein Gedenkstein? Auflösung auf Seite 14.

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