Berlin : Schlag auf Schlag

Der Spandauer Miró Deniselle versuchte sich im Drum-Solo-Weltrekord

Rainer W. During

Noch schnell eine kurze Siesta unter dem Kastanienbaum. Ein Schluck aus der Wasserpulle, ein Kuss von Freundin Luise. Dann schlug für Miró Deniselle gestern die Stunde der Wahrheit. Kurz nach 14 Uhr betrat der 21 Jahre alte Spandauer die kleine Bühne neben der Ellipse am Rathaus Spandau und griff zu den Trommelstöcken, die er acht Stunden lang nicht mehr loslassen durfte. Start zum Guinness-Weltrekord-Versuch des längsten professionellen Drum-Solos.

Bei einem Drum-Marathon hat jeder Musiker gut vier Stunden getrommelt, berichtet Miró. Da hat er sich gesagt, „ich schaffe das Doppelte“. Zur Musik ist der junge Spandauer durch seinen ebenfalls trommelnden Vater Guenter gekommen. Erst hat er Gitarre gespielt, sich mit sechs Jahren dann ebenfalls hinter die „Schießbude“ gesetzt. Heute arbeitet er als Kellner im Brauhaus Spandau, gibt selbst Schlagzeug-Unterricht, spielt in einem Bandprojekt und tritt als Performance-Drummer auf. „Mein längstes Solo waren bisher 15 Minuten.“

Auf den Rekordversuch hat er sich durch Lauf- und Muskeltraining vorbereitet, mit Fingerhanteln gearbeitet, viel Calcium und Magnesium geschluckt. Auch der „Arbeitsplatz“ ist optimal vorbereitet. Beiderseits des schwarz-rosa-farbenen Pearl-Schlagzeugs stehen große Ventilatoren, in Griffnähe zwei Wasserflaschen. Über eine mehrfarbige Tafel neben den Drums kann Miró den Helfern verschiedene Zeichen geben, beispielsweise wenn er Getränke-Nachschub oder einen Milchshake zur Stärkung braucht. Kopfhörer und Ohrstöpsel liegen ebenfalls bereit. Denn mit bis zu 140 Dezibel übertönt das Schlagzeug selbst einen startenden Jet. Am lautesten ist das Tamburin, sagt er und trommelt los.

Vor der Bühne lassen Star-Drummer Tyronne Silva und Olaf Höhn, Besitzer des benachbarten Kult-Eiscafés Florida, den Trommler nicht aus den Augen. Sie fungieren als offizielle Zeugen, damit der Rekord auch ins Guinness-Buch kommt. Mit Papa Guenter, hauptberuflich Maler und Grafiker, veranstaltet der Junior Art- Performances. So stand auch zum Schluss des Rekordversuches ein Highlight auf dem Programm. Binnen fünf Minuten wollte der Vater den Sohn in fluoreszierenden Farben porträtieren. Musikalisch hat Miró noch viel vor. Zunächst einmal will er wieder die Schulbank drücken und dann an der Universität der Künste studieren.

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