Berlin : Schlemmen für die Jugend

Im Adlon feierte der Verein „jungundjetzt“ sein fünfjähriges Bestehen – mit einer großen Gala und dem Ziel, neue Förderer zu gewinnen

Elisabeth Binder

Die Idee ist richtig gut: Jugendliche, die Hilfe brauchen, erreicht man am besten per Online-Beratung, dachte sich die Lehrerin Claudine Krause, als sie vor fünf Jahren den Verein „jungundjetzt“ gründete. Seitdem ist die Zahl der Mail-Kontakte ständig gestiegen, insgesamt waren es rund 11 000.

Höchste Zeit also, neue Freunde und Förderer zu rekrutieren. Doch wie, fragte sich Claudine Krause, macht man einen Verein reich und berühmt? Die Antwort liegt in diesen Tagen nahe: Mit einer Gala natürlich. Es gibt inzwischen für viele Krankheiten, wie zum Beispiel Mukoviszidose, eigene Galas und für viele Probleme auch. Claudine Krause schrieb auf der Suche nach Unterstützung für ihr Projekt sämtliche Luxushotels der Stadt an und fand offene Ohren im Adlon. „Die haben uns wirklich toll geholfen“, sagt sie strahlend im langen weißen Abendkleid vor dem Ballsaal des Hotels. Noch ist der Andrang nicht gerade überwältigend, die Konkurrenz an hochprofessionell organisierten Galas ist riesig, und vielleicht haben sich auch manche von den jüngsten Turbulenzen an der Spitze des Adlon abschrecken lassen. Die wird an diesem Abend lediglich durch die PR-Managerin vertreten. Schirmherr Klaus Wowereit hat sich mit der verständlichen Begründung entschuldigt, dass er im Moment sehr viel anderes zu tun habe.

Karten kosten 290 Euro, etwa die Hälfte der 160 Gäste sind eingeladen. Es gibt ein fünfgängiges Menü, das mit Mille feuille von hausgeräucherter Taubenbrust beginnt und mit einem Dessertbüfett gegen Mitternacht endet. Anschließend darf getanzt werden. Gerade weil diese Gala streckenweise etwas selbst gestrickt wirkt, präsentiert sie sich besonders sympathisch. Ulrich Meyer und Annabelle Mandeng führen humorvoll und lebendig durch das Programm, die Komikerin Käthe Lachmann reizt wirklich zum Lachen, und der junge Tenor Tobey Wilson singt mit großer Leidenschaft.

Es gibt auch bedrückende Momente. Eine junge Schauspielerin trägt Auszüge aus Mails vor. Von Elena, die sich selbst verletzt, weil ihr Vater sie immer schlägt, von Anna, deren beste Freundin sich umbringen will, von Angelika, deren Vater sie berührt an Stellen, an denen es ihr unangenehm ist. 50 ehrenamtliche Mitarbeiter, vor allem Pädagogen und Psychologen, antworten auf diese Mails.

An dem Gala-Abend, zu dem unter anderen der britische Botschafter Sir Peter Torry, Botschafter a.D. Bernhard von der Planitz, die frühere Senatorin Lore Maria Peschel-Gutzeit, die Schauspielerinnen Katharina Saalfrank und Ulrike Frank gekommen sind, werden alle Lose verkauft, was nicht selbstverständlich ist. Dadurch kommen 4200 Euro zusammen. Dem Aufruf zur Visitenkartenspende folgten acht Gäste, noch mal 2240 versprochene Euro. Außerdem kamen drei neue Mitglieder dazu. Weitere sind willkommen.

Nähere Informationen im Internet unter www.junoma.de

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