Berlin : Schlossneubau in Sparversion

Der Verzicht auf Hotel, Kuppel und Glasdach soll helfen, den Wiederaufbau möglichst bald in Angriff zu nehmen

Matthias Oloew

Das Stadtschloss soll nur noch in abgespeckter Version gebaut werden. Das sieht ein Entwurf vor, der derzeit im Bundesbauministerium erarbeitet wird. Ein Sprecher bestätigte auf Anfrage, dass an einem „konzentrierten Entwurf“ des als „Humboldt-Forum“ bezeichneten Neubaus gearbeitet werde. Zu den genauen Plänen wollte er sich aber nicht äußern. Nach Informationen dieser Zeitung sehen die Pläne vor, auf die stadtbildprägende Kuppel des Schlosses ebenso zu verzichten wie auf die Glasüberdachung des Schlüterhofs im Innern sowie auf die Tiefgarage und das in dem Komplex an der Spreeuferseite geplante Hotel. Statt der bisher veranschlagten Baukosten von 670 Millionen Euro soll der Bau nur noch 480 Millionen kosten.

In das Forum sollen nun nur noch die außereuropäischen Sammlungen der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz einziehen, außerdem die wissenschaftlichen Sammlungen der Humboldt-Universität und eventuell die Landesbibliothek. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) begrüßt die Pläne: „Wenn wir die Pläne zusammenstreichen, bedeutet es auch, dass wir schneller bauen können.“ Ziel sollte es sein, so Junge-Reyer, mit dem Bau möglichst bald zu beginnen. Ob das noch 2009 sein wird, entscheide sich, wenn die Pläne fertig sind, sagte die Senatorin weiter.

Hintergrund der Planungen ist, dass zwischen dem Bauministerium und dem Bundesfinanzministerium Gespräche über die Finanzierung des Neubaus anstehen. Sie sollen „sehr bald“ beginnen, sagte der Ministeriumssprecher weiter. Spekuliert wird, dass abgespeckte Varianten des Schlosses viel eher die Chance haben, umgesetzt zu werden.

Mit den reduzierten Bauplänen versucht das Ministerium die festgefahrene Debatte über den Wiederaufbau des Schlosses neu anzuschieben. Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) ist ausdrücklicher Befürworter des Schloss- Aufbaus. Nach der Berliner Wahl hatte der Senat den Ausstieg aus dem Schloss-Projekt verkündet und dies mit der desolaten Haushaltslage des Landes erklärt. Diese Entscheidung habe das Projekt nicht gerade befördert. „Nur weil wir weniger finanzielle Möglichkeiten haben, lässt unser Interesse am Humboldt-Forum nicht nach“, sagt dazu Senatorin Junge-Reyer.

Wilhelm von Boddien, Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss ist „hochzufrieden“ über die Entwicklung. „Es ist wichtig, dass etwas passiert, damit die Spender nicht den Eindruck haben, aus den Plänen werde nichts mehr.“ Dass nur noch ein reduzierter Neubau vorgesehen ist, schreckt ihn nicht: „Es ist von einer vorläufigen Planung die Rede“, sagt er, Glasdach und Kuppel könnten nachträglich noch errichtet werden. „Den Aufbau der Kuppel hat der Bundestag nie beschlossen“, so Boddien. Dass nunmehr auf das Veranstaltungstzentrum im Schlüterhof verzichtet werde, „kann Berlin durchaus verkraften“. Boddien steht weiterhin zu seiner Zusage, für den Bau und die Fassade 80 Million Euro an Spenden beizusteuern. Derzeit habe der Verein 13,6 Millionen Euro gesammelt, so Boddien: „Davon sieben Millionen in bar und 6,5 Millionen in Form von verbindlichen Zusagen.“

Der Bundestag hatte vor einem Jahr in namentlicher Abstimmung den Abriss des Palasts der Republik beschlossen. Wenige Monate nachdem die Arbeiten begonnen hatten, wurden Reste von Asbest in der Stahlskelettkonstruktion entdeckt. Die Abrissarbeiten verzögern sich seither und werden wesentlich teuerer. Die Stadtentwicklungsverwaltung geht jetzt davon aus, dass im ungünstigsten Fall die Arbeiter bis zum Jahresende 2008 brauchen werden. Der Abriss der Ruine wird bis dahin rund 26 Millionen Euro gekostet haben.

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