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Schlossstraße : Steglitzer Ansichtssache

01.03.2013 00:00 Uhrvon
Die 50er Jahre. Damals fuhren Straßenbahnen durch die Schlossstraße. Hinten rechts ist der Turm des alten Rathauses Steglitz zu sehen.Bild vergrößern
Die 50er Jahre. Damals fuhren Straßenbahnen durch die Schlossstraße. Hinten rechts ist der Turm des alten Rathauses Steglitz zu sehen. - Foto: Museum Steglitz

Ein neues Buch zeigt die Entwicklung der Schlossstraße. Mit vier Shoppingcentern liegt sie bundesweit an der Spitze.

Die Steglitzer Schlossstraße ist Berlins zweitgrößte Einkaufsstraße und hält mit vier großen Shoppingcentern auf 1,7 Kilometern Länge sogar einen bundesweiten Rekord. Vieles aus ihrer Vergangenheit ist aber weitgehend in Vergessenheit geraten – darunter die kulturelle Blüte des Titania-Palastes, wo in den 50er Jahren Louis Armstrong, Marlene Dietrich, Harry Belafonte und Yehudi Menuhin gastierten und 1951 die Filmfestspiele stattgefunden hatten. Jetzt zeigt ein mit vielen neuen und historischen Fotos bebildertes Buch die bekannten und weniger bekannten Seiten der Straße.

Es stammt vom PR-Unternehmer Christian Wagner und seiner Frau Nasrin Khan-Wagner, beide sind in Zehlendorf aufgewachsen und wohnen in Steglitz. Natürlich stellen sie bekannte Bauten wie den Steglitzer Kreisel, den Bierpinsel oder das Schlosspark-Theater vor. Es geht aber auch um den ersten und einzigen Autoschalter Berlins, an dem die Volksbank in den 70er Jahren motorisierte Kunden bediente – es handelt sich übrigens um die Filiale, die wegen des Einbruchs durch einen Tunnel in die Schlagzeilen geraten ist.

Auf alten Fotos sieht man noch Straßenbahnen und Oberleitungsbusse, die Autoren erinnern zudem an die Cabrio-Fahrt von John F. Kennedy bei dessen Berlin-Besuch 1963. Erwähnt wird auch eine politisch bedingte Besonderheit auf der benachbarten Stadtautobahn: In den 70er Jahren verkehrte auf der Westtangente eine Buslinie. Sie machte der S-Bahn Konkurrenz, die damals unter DDR-Regie fuhr.

Vorgestellt wurde das Buch am Donnerstag im Forum Steglitz, das 1970 eröffnet hatte und damit das älteste Center der Straße ist. Bis zum Umbau vor sieben Jahren beherbergte es noch den alten Wochenmarkt „Bornmarkt“. Eine andere Besonderheit war zur Zeit der deutschen Teilung eine vom DDR-Staatssicherheitsministerium betriebene Visa-Stelle für Besuche in Ost-Berlin.

Die Eröffnung des neuesten Einkaufszentrums „Boulevard Berlin“ jährt sich im kommenden April. Aus Wagners Sicht deuten die Kundenzahlen darauf hin, dass die Straße vier Center verträgt. Völlig neue Käuferschichten aus ganz Berlin locke vor allem die Billigtextilkette „Primark“ im Schloss-Strassen-Center (SSC) an. So sieht es auch der Leiter der Wirtschaftsförderung Steglitz-Zehlendorf, Michael Pawlik: „Jetzt kommt auch ein junges Publikum.“ Zurzeit erhalte die Wirtschaftsförderung von den Händlern überwiegend positive Rückmeldungen. Darüber hinaus habe die Verbreiterung der Gehwege zu „mehr Aufenthaltsqualität“ geführt, findet Pawlik. Bei warmem Wetter könnten Cafés nun mehr Tische ins Freie stellen.

Das Forum Steglitz habe in den vorigen 18 Monaten mehr als 35 neue Mietverträge geschlossen, sagte Centermanager Carsten Paul. Trotz der gewachsenen Konkurrenz sei es damit zu 98 Prozent vermietet.

- „Schloßstraße! Berlin“, Nasrin Khan-Wagner und Christian Wagner. Verlag: Scantinental
Business-Kontakt-Agentur; 19,95 Euro.

Das Forum Steglitz zeigt bis zum 16. März eine auf dem Buch basierende Ausstellung und bietet kostenfreie Führungen durch die Straße an (8. und 15. März ab 16 Uhr, 9. und 16. März ab 15 Uhr, Anmeldung: Tel. 7929 060, E-Mail: info@real-ity.de).

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