Berlin : Schlussgong um drei Uhr nachts

Die GEW kämpfte erfolglos – der Senat blieb beinhart

Sigrid Kneist

Die GEW ist sehr enttäuscht. „Der Senat ist uns kein bisschen entgegengekommen. Es wird keine Ruhe an den Berliner Schulen geben.“ GEW-Vize-Chefin Rose-Marie Seggelke schaute am düstersten in die Runde, als der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und die Gewerkschaftsspitzen von Verdi, GdP und GEW nach stundenlangen Detailverhandlungen kurz vor drei Uhr morgens die Unterzeichnung des Vertrages verkündeten. Ausgenommen sind nur die 4000 angestellten Lehrer, für die die Gewerkschaft bis zum Schluss erfolglos stritt: Der Senat war beinhart.

Die GEW kontert noch in der Nacht auf dem Flur des Rathauses mit der Drohung eines Arbeitskampfes. Nochmalige Verhandlungen gibt es nur, „wenn der Senat ein deutliches Signal des Entgegenkommens gibt“, sagt GEW-Tarifexpertin Ilse Schaad. Die gewerkschaftliche Kampfansage nimmt Innensenator Ehrhart Körting gelassen auf: „Wir reden hier nur über 4000 Angestellte bei 25 000 verbeamteten Lehrern.“ Die erhalten als einzige Berufsgruppe zwar auch keine Reduzierung der Arbeitszeit, aber dürfen als Beamte nicht streiken. Kein Wunder, dass sich Körting wenig Sorgen macht.

Gut anderthalb Jahre hat es gedauert, zu einem Ergebnis zu kommen. Was als Solidarpakt zwischen Gewerkschaften und Senat geplant war, ist nun in Tarifvertragsform gegossen worden. Und so ein Vertragswerk ist ein äußerst kompliziertes Gebilde, bei dem auch gerne um Punkt und Komma, um kleinste Details gerungen wird. Das tun die Gewerkschaften, allen voran Verdi, in dieser Nacht noch ausgiebig: Auf lange Sitzungen als Ritual bei Tarifverhandlungen will die Tarifkommission auch in letzter Minute nicht verzichten.

Nur GdP-Chef Eberhard Schönberg braucht keine weitere Abstimmung und ist in den Stunden sehr entspannt. Dabei verkündeten alle Beteiligten schon vor Beginn am frühen Abend, dass sie den Tarifvertrag unter Ausschluss des Lehrerbereichs noch bis Mitternacht unterzeichnen wollten.

Aber nun geht es bei dem 17-seitigen Vertragstext um die Redaktionsarbeit, wie die Fachleute das nennen. Das bedeutet viel Arbeit an Details. Immer wieder laufen Verdi-Chefin Susanne Stumpenhusen und ihr Tarif-Experte Burkhardt Thiemann mit frisch ausgedruckten Papieren über die langen Gänge des Rathauses zu ihrer Tarifkommission, um sich die Zustimmung abzuholen. Bisweilen klingen Wortfetzen über den Flur. Die Verdi-Leute stören sich beispielsweise daran, dass der Vertrag sofort in Kraft treten soll. Das Datum ist eigentlich bekannt, aber kann man es nicht doch auf den 1.September verschieben? So eine Frage ist dann gut noch einmal eine umfangreiche Diskussion wert.

Nach sechseinhalb Stunden aber ist es endlich vollbracht. Die Unterschriften sind geleistet. Richtig zufrieden sehen alle drei Gewerkschaftschefs nicht aus. Am muntersten ist um diese Stunde Klaus Wowereit, der bekanntermaßen über eine gute Verhandlungskondition verfügt.

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