Berlin : Schnelle Hilfe bei Lehrermangel

Unterrichtsausfall niedriger als in Bayern. Dennoch Unruhe an Schulen wegen fehlender Personalreserven

Susanne Vieth-Entus

Fällt in Berlin viel Unterricht aus oder wenig? Fehlen nur einzelne Lehrer oder gar Hunderte? Darüber wird kurz vor den Wahlen heftig gestritten – und Antworten sind nur schwer zu bekommen, weil kaum jemand einen Überblick über die 860 Schulen der Stadt hat.

Die einzige Stelle, an der alle Informationen zusammen laufen sollten, die Senatsverwaltung für Bildung, gab gestern folgende Auskunft: Von allen Schulen, aus denen seit dem Ferienende Klagen gekommen sind, hätten nur 20 Schulen tatsächlich „Probleme in der Unterrichtsversorgung“ gehabt. Und in diesen konkreten Fällen habe man schnell Abhilfe geschaffen.

Tatsächlich scheint die bevorstehende Wahl Wunder zu wirken. So bekam die Mariendorfer Carl-Sonnenschein-Grundschule gestern – kaum dass sie sich mit einem Hilferuf an die Öffentlichkeit gewandt hatte – die Zusage, dass ein Lehrer eingestellt werde. Ähnlich schnell ging es auch bei anderen Schulen, die Alarm geschlagen hatten.

Auch wenn es bisher wohl nur einzelne Schulen sind, denen Lehrer fehlen, herrscht allgemein eine große Unruhe und eine große Bereitschaft, sich mit den Schulen, an denen Mangel herrscht, zu solidarisieren. Das liegt daran, dass in Berlin erstmals ein großer Teil der Schulen völlig ohne Personalreserve dasteht. Die Leiter befürchten also, dass sie bei der ersten Lehrererkrankung in Schwierigkeiten kommen werden. Und daran sind sie nicht gewöhnt, da es in früheren Jahren immer eine so genannte Vertretungsreserve im Umfang von ein bis drei Lehrern pro Schule gegeben hatte.

Eine derart große Reserve ist im Bundesvergleich nicht üblich. Etliche Länder billigen den Schulen überhaupt keine Reserve zu. Und etliche Länder haben deshalb auch einen viel größeren Unterrichtsausfall als Berlin. In der Hauptstadt ist er in den vergangenen Jahren stetig gesunken – von 4,8 Prozent 1999 auf 2,6 Prozent im Jahr 2005. Dies entspricht zwar immer noch knapp 600 000 ausgefallenen Unterrichtsstunden pro Jahr, aber selbst in Vorzeigeländern wie Bayern und Baden-Württemberg liegt die Quote höher.

Das ist auch dem schulpolitischen CDU-Sprecher Gerhard Schmid bekannt. Aber er verweist auf das Beispiel Hessen, wo jetzt jede Schule selbst Geld in die Hand bekommt, um mit Honorarkräften den Stundenausfall zu senken. Dies will die CDU – wie die FDP – auch in Berlin erreichen und zudem noch 400 zusätzliche Lehrer einstellen, um zumindest annähernd so etwas wie eine Unterrichtsgarantie geben zu können.

Schmid erinnert auch daran, dass die knappe Lehrerversorgung zum Teil hausgemacht ist: Der Senat hat nämlich die Konditionen bei Frühpensionierungen verschlechtert. Dies führte dazu, dass Lehrer seltener die Frühpension wählen und sich stattdessen oft dauerhaft krank schreiben lassen. Dies aber blockiert die Neubesetzung der Stellen mit jungen Lehrern. Dass in Berlin dennoch weniger Unterricht als anderswo ausfällt, mag auch daran liegen, dass die Personalausstattung auf einem wesentlich höheren Niveau liegt: Die 750 Stellen für zusätzliche Deutschförderung und weitere Stellen für Schulen in sozialen Brennpunkten bieten einen Personalpuffer bei Krankheitsfällen.

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