• Schöne Ferien: Lehrer schuften in der Schule Das Klischee vom ewigen Urlaub stimmt nicht:

Berlin : Schöne Ferien: Lehrer schuften in der Schule Das Klischee vom ewigen Urlaub stimmt nicht:

Klassenräume und Geräte werden auf Vordermann gebracht

Anne Seith

Uwe Wuntke ist sauer. Erst verordnete der Senat den Lehrern, sie hätten die letzten drei Tage der Sommerferien in ihrer Schule präsent zu sein. Am letzten Schultag erreichte die Schulen nun ein Fax, dass diese Anwesenheitspflicht auf einen Tag verkürzt sei. Die Idee dahinter: Weil der Senat die im Februar verhängte Erhöhung der Unterrichtsstunden nicht wie angekündigt zurücknehmen will (siehe Beitrag rechts), soll die Arbeitszeit auf diese Weise verringert werden.

„Als würden wir im Sommer nur arbeiten, wenn es eine Präsenzpflicht gibt“, sagt Wuntke, der Lehrer an der Paul-Klee-Grundschule in Tempelhof ist. „In die Öffentlichkeit wird immer das Bild getragen, Lehrer seien faule Säcke.“

Dabei verbrachte so mancher Lehrer schon den Ferienbeginn in der Schule – mit dem Putzlappen. Zwar gibt es in fast allen Schulen im Sommer eine professionelle Grundreinigung. Das Innenleben von Schulschränken aufzuräumen oder die bekritzelten Tischplatten zu schrubben, gehört jedoch nicht zum Auftrag der Putzkräfte, die die Räume normalerweise auch nur bis zu einer gewissen Höhe säubern müssen.

Weil sie ihre neue erste Klasse nicht an beschmierte Tische setzen will, verbrachte Anne Tillner von der Michael-Ende-Grundschule in Rudow einen Vormittag damit, die Pulte ihres Unterrichtsraumes mit Scheuersand von den Kommentaren mehrerer Schüler-Generationen zu befreien. Sylke Pietzner, Lehrerin an der Karlsgarten-Grundschule in Neukölln, tat sich mit zwei Kollegen zusammen, um den Dreck, der sich im Laufe des Schuljahres in ihren künftigen Klassenzimmern angesammelt hatte, zu beseitigen. „Wir haben sogar Wände abgeseift“, sagt sie. „Die waren voll mit grauen Schlieren, Stiefelabdrücken oder alten Apfelresten. Eigentlich müsste gestrichen werden.“

Auch Uwe Wuntke verbrachte die ersten Ferientage in der Schule, um sich gemeinsam mit einem Kollegen den Computern zu widmen. Zwei Tage lang verwalteten sie das Netzwerk der 73 Rechner und richteten neue Computer ein. Diese Woche kam Wuntke noch zwei Mal, um seinen Klassenraum aufzuräumen.

Ein ähnliches Bild bietet sich in vielen Schulen. In der Paul-Klee-Grundschule waren außer Wuntke in den ersten Ferientagen noch rund zehn weitere Lehrer da, in der Bürgermeister-Herz-Grundschule in Kreuzberg etwa ein Drittel des Kollegiums, wie die Schulleitung berichtet. Auch am Ende der Ferien werden viele Lehrer mehrere Tage an ihrem Arbeitsplatz verbringen. Hinzu kommt die Unterrichtsvorbereitung zu Hause. „Meistens fange ich mindestens zwei Wochen vor Schulbeginn an, meine Stunden vorzubereiten“, sagt Barbara Hecke, die an der Carl- von-Ossietzky-Gesamtschule in Kreuzberg unterrichtet. In der letzten Ferien-Woche geht sie dafür auch oft in die Schule, um sich mit Kollegen zu besprechen.

„Die Vorbereitung des Unterricht ist eine Selbstverständlichkeit“, sagt Hans-Gerd Prause, Leiter der Fichtenberg-Oberschule in Steglitz, eine Präsenzpflicht für Lehrer am Ende der Ferien hält er für unnötig. Die Verkürzung dieser Zeit als Verringerung der Arbeitszeit anzusehen, sei „absurd“. Die Verwaltung für Inneres wollte sich gestern zu diesem Thema nicht äußern. Die Tarifverhandlungen liefen ja noch.

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