Berlin : Schöne Rutschpartie

Während der November in diesen Tagen wie ein goldener Oktober aussieht, startet in Berlin die Eissaison. Privat betriebene Bahnen mit angeschlossenem Weihnachtsmarkt laufen den angestammten Stadien den Rang ab

Christoph Stollowsky

Schon Friedrich Gottlieb Klopstock geriet ins Schwärmen: „Schlittschuhe geben meinen Füßen Flügel“, schrieb der eislaufende Poet des 18. Jahrhunderts. Und auch die Ärzte seiner Zeit lobten die „wohltuende Wirkung des Wintersports auf den Lauf der Körpersäfte.“ Seit zwei Wochen können die Berliner wider diesen Fitness-Tipp beherzigen: Die Eislauf-Saison hat begonnen.

Die großen Stadien in Neukölln, Wilmersdorf, Lankwitz, Wedding und Hohenschönhausen haben schon geöffnet, am Nordrand der Spandauer Altstadt gibt es ab Mitte November erstmals eine weitere Bahn, deren Eisfläche mit 1800 Quadratmetern olympische Maße hat. Und die Stadtmitte wird sich diesmal zum Zentrum des Schlittschuh-Vergnügens entwickeln: Hier bauen Privatunternehmen gleich drei mobile, kleinere Eisbahnen auf. Ganz vorne liegt Daimler-Chrysler auf dem Marlene-Dietrich-Platz vor dem Musical-Theater. Die Firma lässt dort zur Zeit die größte mobile Kunsteisfläche Berlins auf 520 Quadratmetern anlegen – 40 Meter lang und 13 Meter breit. Schon vom kommenden Sonnabend an können die ersten Gäste ihre Runden drehen. Danach ist die Bahn bis 8. Januar täglich von 10 bis 21.30 Uhr geöffnet, bei freiem Eintritt für alle.

Doch auch Unter den Linden baut der Mobilfunkbetreiber Vodafone wieder ab 21. November seinen mobilen Schlittschuh- Spaß auf, und am Alex begibt sich der Kaufhof ab 24. November aufs Glatteis: An beiden Orten lockten die Mini-Bahnen bereits zur vergangenen Saison tausende Läufer an und entwickelten sich zu Jugendtreffs.

Ein neuer Schlittschuh-Boom, der an den großen Bezirksbahnen in Wedding oder Neukölln vorbeigeht. Deren Betreiber blicken neidisch zu den Privatbahnen, denn bei ihnen gingen die Besucherzahlen vor allem bei Jugendlichen schon 2002 stark zurück. Und auch der diesjährige Saisonstart ist schwach. „Wir müssten attraktiver werden“, heißt es im Erika-Heß-Stadion in Wedding. Aber für Erlebnisbahnen hat der Bezirk kein Geld – und überlässt dieses erfolgreiche Konzept den Privatbahnen. Sie winden um ihr mobiles Eis weihnachtlichen Budenzauber und bieten in Spandau, Lankwitz und Babelsberg – wo es größere, fest installierte Privatbahnen gibt – zusätzliche Vergnügen an: Discos, Kindergeburtstage auf dem Eis, gemütliche Bistros. Ein Strategie, die auch der neue Betreiber des Sport-und Erholungszentrums (SEZ) in Friedrichshain favorisiert: Er will die SEZ-Schlittschuhbahn nach der Sanierung wieder eröffnen, aber erst zur Eiszeit 2004/5.

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