Berlin : Schöneberg: Doppeldeutige Botschaften aus dem Hotel Ambassador

bal / Cd

Wegen Sicherheitsmängeln haben die neuen Pächter des Hotels Ambassador angekündigt, die 36 Jahre alte Vier-Sterne-Herberge an der Bayreuther Straße zum Monatsende zu schließen. Ein Sprecher der niederländischen Hotelgruppe Golden Tulip sagte, ein TÜV-Gutachten enthalte "Dutzende schwerwiegende Beanstandungen", vor allem beim Brandschutz. Ganz anders sieht Tempelhof-Schönebergs Baustadtrat Gerhard Lawrentz (CDU) die Lage: "Die Bauaufsicht hat keine Mängel festgestellt, die den Betrieb unmöglich machen."

Die Betreiber hatten die Prüfer selbst alarmiert. Zuvor seien die Probleme bei Vermessungsarbeiten bemerkt worden, heißt es. Der TÜV-Bericht falle verheerend aus, doch könne man Einzelheiten wegen eines laufenden Rechtsstreits um die außerordentliche Kündigung des Pachtvertrages nicht nennen. Insgesamt habe Golden Tulip die Verantwortung für den Betrieb "im jetzigen Zustand nicht übernehmen können". Den rund 60 Angestellten und Lehrlingen wurde fristgerecht gekündigt. Die Direktion will sich um Ersatzjobs bemühen.

Die Bauaufsicht notierte laut Stadtrat Lawrentz nur Mängel, die relativ leicht behebbar wären. Der Swimmingpool im Dachgeschoss wurde gesperrt, weil dort Geländer fehlen. Zudem sind Fluchtwege nicht ordnungsgemäß ausgeschildert, und in der Personal-Kantine gibt es keinen zweiten Fluchtweg. Auch die Kantine wurde nach Angaben der Pächter geschlossen.

In der Hotellobby herrschte gestern noch reger Betrieb. An der Rezeption bildeten sich Warteschlangen, denn die Empfangsdame buchte telefonisch Reservierungen um. Für alle Gäste, die Übernachtungen im September gebucht haben, suchte sie Zimmer in anderen Hotels. Im Restaurant deckten junge Leute die Tische, schwiegen aber über ihre Kündigung: "Wir dürfen nichts sagen."

Die Golden-Tulip-Kette übernahm das Hotel erst Anfang dieses Jahres. In Berlin besitzt sie vier weitere Häuser, weltweit sind es rund 400. Einige werden von Lizenznehmern betrieben, das Ambassador übernahm der Konzern aber selbst. Mitte der 70er Jahre galt es neben dem Kempinski als "das Hotel in Berlin", wie Präsidiumsmitglied Kurt Lehrke vom Hotel- und Gaststättenverband sagt. "Aber seit vielen Jahren hat man nichts mehr davon gehört." Vielleicht gehe es dem Pächter nur darum, "aus dem Vertrag herauszukommen". Diesem Eindruck widerspricht die Hotelkette: Das Haus sei durchschnittlich zu mehr als 80 Prozent ausgelastet und "hoch profitabel".

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