Schöneberg : Grüne Hoffnung für den Gasometer

Beim Schöneberger Großprojekt gibt es Ärger. Euref-Chef Hofmann geht im Streit. Nun soll Joschka Fischer für das Vorhaben werben.

Ralf Schönball
Gasometer
80 Meter hoch ist der Gasometer in Schöneberg. Hier sind Neubauten mit einer Fläche von 165 000 Quadratmetern geplant. - Foto: dpa

Ein Geschäftsführer geht – ein Prominenter kommt, vielleicht. Das Wechselspiel beim „Europäischen Energieforum - Gasometer Berlin-Schöneberg“ geht in die nächste Runde. Ex-Außenminister und Grünenpatriarch Joschka Fischer soll dem Vernehmen nach Ende des Jahres das Zugpferd für eine Großveranstaltung auf dem Baufeld des 600-Millionen-Euro-Projektes sein. Unterdessen verlässt Gerhard Hofmann, Sprecher der Aktiengesellschaft und Geschäftsführer des „Instituts“, das Boot. Dazu „sah ich mich gezwungen, zu meinem allergrößten Bedauern“, schreibt der frühere RTL-Korrespondent in einer Rundmail – und auch von „unüberbrückbaren Differenzen“.

Was ist bloß los in Schönebergs Süden? Der Kopf des Großprojektes ist Reinhard Müller. In Berlin war er am Umbau von Spreespeicher oder Tempelhofer Hafen und der Sanierung der Karl-Marx-Allee beteiligt und gründete die „Stiftung Denkmalschutz“. Müller sagt: „Wir werden noch in diesem Jahr mit der Sanierung des historischen Klinkerbaus beginnen.“ Acht Millionen Euro sollen in das denkmalgeschützte Gebäude fließen, das vom Architekten des Pergamon-Museums, Alfred Messel, stammt. Der Baustart für die bis zu 55 Meter hohen Neubauten mit einer Gesamtfläche von 165 000 Quadratmetern hänge von Verhandlungen mit künftigen Nutzern ab. Gebaut werde erst, wenn Verträge unterzeichnet sind. Müller sagt, er sei im Gespräch mit „einem M-Dax-Unternehmen, das 12 000 Quadratmeter nutzen würde, und vier Hotelketten“. Darunter ist der Accor-Konzern, wie Sprecher Michael Kirch bestätigte.

Warum aber verabschiedet sich Hofmann so plötzlich von dem Projekt, „in das ich viel Herzblut investiert habe“, wie er schreibt? Der ehemalige Ministerpräsident der DDR, Lothar de Maizière, erklärte dazu wiederum in einer Mail: „Hofmann war an der Gestaltung der Grundkonzeption des Instituts beteiligt. Das Institut ist in diesen Tagen von der Konzeptions- in die Realisierungsphase eingetreten“. Daher wünsche man Herrn Hofmann „alles Gute für seine Zukunft“.

Das Euref ist als ambitioniertes Vorhaben gestartet: Vor einem Jahr mit einer Großveranstaltung im Rathaus Schöneberg mit viel Prominenz um Kanzlerkandidat und Außenminister Frank-Walter Steinmeier, Umweltminister Sigmar Gabriel und Ex-Umweltminister Klaus Töpfer. Das Institut sollte von den drei Berliner Universitäten unterstützt werden, mithilfe des Wissenschaftszentrums und eines hochkarätigen Beirats renommierter Wissenschaftler begleitet werden.

Doch seither ist – von der Erteilung der Genehmigung für die außergewöhnlich dichte und lukrative Bebauung abgesehen – bei der Euref nicht viel passiert. „Einige Beiratsmitglieder sind ein wenig enttäuscht, dass es nach den hoch gespannten Erwartungen bei der Eröffnung so langsam vorangeht“, sagt Beirats-Chef Franz Jürgen Säcker. Der renommierte Rechtsprofessor der Freien Universität glaubt, dass das Projekt realisierungsfähig ist. Er sagt aber auch: „Es fehlt an Management und es fehlt an Geld, aber das wird sich hoffentlich noch ändern.“

Säcker ist mit den anderen Beiräten auf dem Weg nach Moskau. Dort sitzt Müllers russischer Partner. Am kommenden Dienstag werde im Beirat auch Joschka Fischers Rolle erläutert, so Säcker. „Joschka Fischer ist gut für die Euref, aber das Projekt braucht die Abstützung durch viel wissenschaftliche Sachkompetenz“, sagt er.

Dafür soll das Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel sorgen. Die kleine Firma, zu deren Trägern WZB Bahn und T-Systems gehören, hat mit der Euref einen Vertrag über die „inhaltliche Entwicklung von Veranstaltungen“ abgeschlossen , sagt Geschäftsführer Andreas Knie. Eine Veranstaltungsreihe sei Ende des Jahres vorgesehen zu „Elektromobilität, Geothermie und Energiesparendes Bauen“. Die geplante Hochschule wird aber Knie zufolge erst „in ganz ferner Zeit“ aufgebaut.

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