Schulbehörde kippt Bewerbungsschluss : Mehr als 5500 Bewerber wollen Lehrer werden

Einen wahren Bewerberansturm erlebt die Berliner Schulverwaltung in diesen Wochen. Täglich steigt die Zahl der Interessenten. Dennoch ist die Verwaltung noch immer alarmiert.

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Verschwommen sind Berlins Aussichten, genug ausgebildete Pädagogen zum neuen Schuljahr zu finden. Die meisten Bewerber haben nicht auf Lehramt studiert. Foto: dpa
Verschwommen sind Berlins Aussichten, genug ausgebildete Pädagogen zum neuen Schuljahr zu finden. Die meisten Bewerber haben nicht...Foto: dpa

Für die 1700 freien Stelle in Berlins Schuldienst gibt es inzwischen mehr als 5500 Bewerbungen, davon mehr als 2300 von voll ausgebildeten Lehrern und rund 3240 von Quereinsteigern. Dennoch befürchtet die Bildungsverwaltung offenbar, nicht alle Stellen zum Sommer besetzen zu können. Darauf deutet die Tatsache, dass die Bewerbungsfrist für die regulären Lehrer verlängert wurde. Während zunächst der 31. März genannt wurde, heißt es jetzt für die Lehrer: „Sie können sich bis zum Beginn des Schuljahres bewerben“. Allerdings ist es ratsam, sich zeitnah zu melden, weil ab Mai die regionalen "Castings" stattfinden.

Die anhaltende Sorge der Verwaltung resultiert daraus, dass erfahrungsgemäß nur ein Teil der ausgebildeten Lehrer, die sich bewerben, tatsächlich in den Schulen ankommt. Entweder sie haben Fächer studiert, die nicht gebraucht werden, oder sie entscheiden sich für andere Bundesländer. Besonders viele Doppelanmeldungen gibt es zwischen Berlin und Brandenburg. Manchen Lehrer lockt zwar die Verbeamtung in Brandenburg; etliche wollen aber nur dann dorthin wechseln, wenn sie attraktive Schulstandorte angeboten bekommen. Brandenburg sucht rund 1000 Lehrer.

Vorsicht ist auch angesagt bei den unzähligen Bewerbungen von Seiteneinsteigern. Viele erfüllen die Voraussetzungen nicht oder müssen aufwendig weitergebildet werden, indem sie ein Zweitfach nachstudieren. Auch die anderen können nicht sofort die volle Stundenzahl unterrichten, weil sie nebenbei das Referendariat ableisten müssen. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) betonte am Dienstag gegenüber dem Tagesspiegel, dass die ausgebildeten Lehrer selbstverständlich Vorrang vor den Seiteneinsteigern hätten. Sofern man Quereinsteiger nehmen müsse, werde man "die am besten qualifizierten" auswählen. Die Qualität stehe "im Vordergrund".


Um weitere Bewerber anzulocken, hat die Berliner Senatsverwaltung für Bildung am Wochenende in der "Süddeutschen Zeitung" eine Anzeige geschaltet. Geworben wird mit einem Verdienst von 4750 Euro brutto für Lehrer mit zwei Wahlfächern. Wie berichtet, haben in Bayern Hunderte frisch ausgebildete Lehrer keine Stelle bekommen, auch in Baden-Württemberg und noch weiteren West-Bundesländern gibt es ein Überangebot. Interessenten meldeten sich auch bei der Lehrer-Hotline der Bildungsverwaltung (030/90227-5777). Zudem organisiert die Bildungsverwaltung für die Interessenten aus den anderen Bundesländern einen Bewerbertag am 10. Mai von 11 bis 16 Uhr im Ludwig-Erhard-Haus (Fasanenstraße 85).

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