Schule : Elternprotest gegen Lehrerin Sarrazin nimmt an Schärfe zu

Der Personalchef der Schulverwaltung vermittelt in einem Gespräch zwischen Ursula Sarrazin und dem Schulleiter. Bereits 2002 drohte der Lehrerin eine Dienstaufsichtsbeschwerde.

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Ursula Sarrazin.
Ursula Sarrazin.Foto: Paul Zinken

Die Eltern klagen über Ursula Sarrazin, die Frau des ehemaligen Berliner Finanzsenators, nehmen deutlich zu. Dabei treten die Widersprüche zwischen der Darstellung der Lehrerin und der Betroffenen immer schärfer zutage. Am Montagabend befasste sich die Schulkonferenz der Charlottenburger Reinhold-Otto-Schule mit dem Fall. Vorher hatte bereits der für Personalangelegenheiten zuständige Abteilungsleiter Erhard Laube aus der Bildungsverwaltung ein Gespräch mit Sarrazin und dem Schulleiter geführt, bei dem es darum ging, „die wechselseitig erhobenen Vorwürfe tatsächlich zu belegen und gegebenenfalls dazu Stellung zu nehmen“, wie Bildungsenator Jürgen Zöllner (SPD) mitteilte.

Ziel des Gesprächs sei es, „die für die pädagogische Arbeit in der Schule belastende Situation zu beenden, mit den Betroffenen den Dialog zu führen und den gestörten Schulfrieden wiederherzustellen“. Im Übrigen seien die Prüfung der Vorwürfe und eventuelle Konsequenzen „Gegenstand eines rechtlich geregelten Verfahrens“.

Zöllner wies darauf hin, dass alle in der Vergangenheit erhobenen Beschwerden gegen Frau Sarrazin nach ihrer Prüfung keine Grundlage für dienstrechtliche Konsequenzen geboten hätten. Er geht davon aus, dass „durch sorgfältige und unvoreingenommene Prüfung eine Klärung der öffentlich diskutierten Vorgänge erzielt und die notwendige Ruhe wieder voll und ganz hergestellt werden kann“.

Dass dieses Ziel erreicht werden kann, scheint unwahrscheinlich. Denn unter betroffenen Eltern hat die Empörung noch zugenommen, weil Ursula Sarrazin nicht nur alle Vorwürfe bestreitet, sondern darüber hinaus behauptet, die Berliner Eltern könnten nicht mit „strengen“ Lehrern umgehen. Verärgert reagieren sie auf die Behauptung des Ehepaares Sarrazin, dass man die Lehrerin nur für die Thesen ihres Mannes bestrafen wolle, also in Sippenhaftung genommen habe.

Gegen diese Darstellung spricht, dass sich weitere Eltern melden, die berichten, dass ihre Kinder bereits unter Frau Sarrazin gelitten hätten, als ihr Mann noch nicht prominent war. So liegt dem Tagesspiegel ein Elternbrief vom Juni 2002 vor, der an die damalige Oberschulrätin Marcks gerichtet war. Darin beklagten die Eltern „persönliche Diffamierungen“ der Kinder durch die Lehrerin. Zudem drohten die Eltern in dem Brief mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde. Weiter heißt es: „Uns sind in zwei konkreten Fällen körperliche Übergriffe einem Schüler gegenüber zur Kenntnis gekommen.“ Die „Dynamik“ der Situation lasse befürchten, „dass diese Geschehnisse eskalieren. Das Verhalten unseren Kindern gegenüber definieren wir inzwischen als eine subtile Form psychischer Gewalt“, schrieben die Eltern. Ursula Sarrazin sagte gestern, alle damaligen Vorwürfe seien geprüft worden. Das Ergebnis sei gewesen, „dass nichts dran war. Ich habe keine Fehler gemacht!“, betonte sie. Der Wechsel zur Reinhold-Otto-Schule sei freiwillig erfolgt. Doch auch aus ihrer jetzigen Schule tauchen immer neue Vorwürfe auf. Dem Tagesspiegel liegt der Brief eines Elternvertreters vor, der im Frühjahr 2009 sein Amt niederlegte. Er begründet dies mit „Repressalien“ seitens Frau Sarrazin gegenüber seinem Sohn infolge seiner Tätigkeit als Elternvertreter. In dem Brief ist auch die Rede davon, dass sie ein 30-minütiges Gespräch über eine schlecht ausgefallene Mathematikarbeit nach nur vier Monaten komplett vergessen habe: „Sie wusste nicht einmal mehr, wer ich bin.“ Es ist nicht der einzige Fall, in dem Wahrnehmungen der Eltern oder Kinder denen der Lehrerin komplett widersprechen. So bestreitet Ursula Sarrazin, dass sie Schüler oder Lehrer anschreie. Dagegen sprechen allerdings unzählige Elternmails, Briefe und mündliche Aussagen.

Zu den wenigen Eltern, die sich namentlich nennen lassen, wenn es um Vorwürfe gegen Frau Sarrazin geht, gehört Ines Zimsinski, die 2009 einen Elternprotest anführte. Jetzt hat sie allerdings mit Konsequenzen zu rechnen – sie soll wegen übler Nachrede zur Rechenschaft gezogen werden: „Unser Anwalt ist heute damit beauftragt worden“, sagte Thilo Sarrazin dem Tagesspiegel. Der Landeselternvorsitzende Günter Peiritsch, der auf die neuen Beschwerden aus Sarrazins aktueller Klasse hingewiesen hatte, hatte ebenfalls Post von Sarrazins Anwalt. Dem hat Peiritsch allerdings nicht entsprochen.

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