Berlin : Schulleiter lehnen Budgetkürzung ab

Bildungssenator möchte Finanzmittel nur noch für Vertretungslehrer bei Unterrichtsausfall ausgeben

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Der Widerstand gegen das Qualitätspaket von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) formiert sich. Die GEW-Schulleitervereinigung wendet sich gegen die „Bestrafung“ von Schulen mit hohem Krankenstand. Zöllner hatte vorgeschlagen, dass diese Schulen ihr Vertretungsbudget nicht mehr für andere Belange als den Vertretungsunterricht ausgeben dürfen. Damit würde ihnen die Möglichkeit genommen, andere wichtige Angebote wie Arbeitsgemeinschaften zu finanzieren, kritisiert die Schulleitervereinigung. Zudem fordert sie, den Umgang mit den Vertretungsmitteln zu reformieren.

Bisher dürfen Schulen die Hälfte ihres Personalkostenbudgets (PKB) anderweitig ausgeben. Manche finanzieren damit einen zusätzlichen Theaterpädagogen für ihr künstlerisches Profil, andere nehmen das Geld lieber für die Hausaufgabenbetreuung. Zöllner will aber nicht länger hinnehmen, dass an einigen Schulen jede Menge Unterricht ausfällt, weil die PKB-Mittel für andere Dinge ausgegeben werden. Andererseits sollen aber Schulen mit geringem Ausfall ihr gesamtes PKB für zusätzliche Angebote ausgeben dürfen, betont der Bildungssenator.

Die GEW-Schulleitervereinigung findet es falsch, Schulen mit hohem Krankenstand auf diese Weise einzuschränken. Es sei „kontraproduktiv“, ausgerechnet diesen Schulen auch noch die Zusatzangebote zu nehmen. Es bringe ihnen nichts, noch mehr Vertretungskräfte einzustellen, die für viele Aufgaben wie etwa Klassenleitungen nicht zur Verfügung stünden, weil sie meist nur für kurze Zeit blieben oder nicht qualifiziert genug seien.

Anstatt die Vergabe der PKB-Mittel einzuschränken, solle das gesamte Konzept überarbeitet werden, fordert der Vorsitzende der Vereinigung, Paul Schuknecht. Vor allem müssten nicht verbrauchte Gelder wieder in das nächste Kalenderjahr übertragen werden können, was ursprünglich vorgesehen war, dann aber für 2010 zurückgenommen wurde. Abgesehen von aller Kritik hat sich die Vereinigung aber generell für die Beibehaltung der PKB-Regelung ausgesprochen, weil es die einzige Möglichkeit sei, „direkt auf Unterrichtsausfall zu reagieren“. Damit werde die Mehrarbeit der Kollegen gesenkt und die Eigenverantwortung der Schulen gestärkt.

Paul Schuknecht war auf einer Mitgliederversammlung am Donnerstag zusammen mit Uta Schröder neu im Amt bestätigt worden. Schuknecht vertritt die Oberschulen, Schröder die Grundschulen. Um den Gymnasien in der Vereinigung mehr Gewicht zu verschaffen, wurde Gunilla Neukirchen vom Lankwitzer Beethoven-Gymnasium in den erweiterten Vorstand gewählt. Susanne Vieth-Entus

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