Schulpolitik : Auf die Straße für bessere Bildung

Eine Woche vor der Wahl wollen Eltern, Lehrer und Schüler für bessere Schulen und Kitas demonstrieren – und für mehr Geld. Sie hoffen, dass am Sonnabend Zehntausende protestieren.

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Schon im Juni gingen die Berliner für die Bildung auf die Straße. Nun hoffen die Organisatoren auf eine noch größere Beteiligung.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Mike Wolff
09.06.2011 14:10Schon im Juni gingen die Berliner für die Bildung auf die Straße. Nun hoffen die Organisatoren auf eine noch größere Beteiligung.

Wer wissen will, wie es um die Stimmung an Berlins Schulen bestellt ist, sollte sich am Sonnabend auf den Weg zum Alexanderplatz machen: Eltern, Schüler und Lehrer haben zu einer großen Abrechnung mit der Bildungspolitik des rot-roten Senats und zur Demonstration „für bessere Schulen – mehr Bildung von Anfang an“ aufgerufen. Die Zahl der Teilnehmer dürfte darüber entscheiden, welche Rolle das Thema in der letzten Wahlkampfwoche und in den kommenden Koalitionsverhandlungen spielen wird.

Die Erwartungen, wie groß die Resonanz auf den Aufruf wohl sein wird, sind höchst unterschiedlich. Landesschülersprecher Jonas Botta hat den Protestzug mit anschließender Kundgebung am Gendarmenmarkt für nur 7500 Teilnehmer angemeldet, obwohl in Berlin weit über eine Million Menschen direkt von dem betroffen sind, was in Kita und Schule passiert: Rund 400 000 Schüler (inklusive Berufsschüler), 800 000 Eltern und 40 000 Lehrer, dazu noch über 100 000 Kitakinder und ihre Eltern sowie Erzieher.

Bottas Zurückhaltung hat ihren Grund: Die letzte Schul-Demonstration im Juni war mit nur 5000 Teilnehmern weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Allerdings lag das vor allem daran, dass während der Unterrichtszeit demonstriert wurde, was Lehrern und Schülern die Teilnahme erschwerte. Viele Eltern kritisierten damals auch, dass der Termin für Berufstätige ungünstig gewesen sei.

All dies trifft für den Sonnabend nicht zu. Viele erinnern sich noch an den Sternmarsch vom März 2000 – ebenfalls einem Sonnabend – , als rund 40 000 Menschen auf den Beinen waren, um für mehr Geld im Schulwesen zu demonstrieren. Damals lag die organisatorische Keimzelle des Protestes im Tegeler Humboldt-Gymnasium, aber die Themen waren die gleichen: Unterrichtsausfall, marode Schulen, zu wenig junge Lehrer. Allerdings gibt es einen erheblichen Unterschied: Die Unzufriedenheit der Lehrer hatte im Jahr 2000 durch eine Arbeitszeiterhöhung frische Nahrung bekommen. Sie trieb die Teilnehmerzahl erheblich hoch.

Lesen Sie auf Seite 2, wie die Stimmung in der Lehrerschaft im Moment ist - und welche Demonstration eine Konkurrenz für die Protestierenden sein könnte.

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