Berlin : Schulstart: Doppelte Premiere: Der erste Schultag in einer neuen Rolle

Birgit Sasse (31) fängt als Lehrerin an.

Die Vorgeschichte

Birgit Sasse ist ein Glückskind. Als sie mit frischem Examen 1999 aus Marburg nach Berlin kam, konnte sie gleich ihr Referendariat beginnen. Das lag an ihrer günstigen Fächerkombination: Geschichte und Englisch. Dazu erwischte Sasse in Steglitz die angesehene Martin-Buber-Gesamtschule als "Ausbildungsplatz". Mit 1,8 machte sie im Mai ihr zweites Staatsexamen - und hing dann etwas in der Luft, unklar, ob es mit der Stelle zum neuen Schuljahr klappen würde. Sie war gerade in den USA, als die rettende E-Mail vom Landesschulamt kam. Und einen Kindergarten für ihre vierjährige Tochter hat Birgit Sasse auch gefunden.

Die bisherige Schulkarriere

Albträume hat Birgit Sasse in der Ausbildungszeit nicht gehabt. Die Resonanz der Schüler sei "angenehm" gewesen. Zum Abschluss hätten die Mädchen ihr nur gesagt, dass sie ruhig ein bisschen strenger sein könnte. Vor allem gegenüber den rüpelhaften Jungs, die oft so laut gewesen seien. Sie gaben ihr Tipps mit auf den Weg, wie man Störenfriede zähmen könnte, zum Beispiel Strichlisten an der Tafel für Frechheiten und dann bei soundsoviel Strichen eine Strafarbeit. Das Referendariat fand sie weniger stressig als andere: "Vielleicht habe ich mich nicht so verrückt gemacht, weil mich meine Tochter abgelenkt hat."

Die neue Schule

Ihren Job beginnt Birgit Sasse nicht irgendwo, sondern an der Werner-Seelenbinder-Oberschule. Die ist bekannt, weil auch Franziska van Almsick und Jan Ullrich hier unterrichtet worden sind. Und neuerdings wegen künstlicher Mineralfasern. Durch Bauarbeiten war man vergangene Woche darauf gestoßen, dass in diesem Gebäudetyp Krebs erregende Substanzen verbaut wurden. Auch Birgit Sasse gehört zu den Lehrern, die zunächst pendeln müssen, weil einige Klassen nach Friedrichshain verlegt wurden. Auf ihrem Stundenplan steht "ganz viel Englisch", in den 8. und 9. Klassen sowie in der Oberstufe.

Die Stimmung vor dem Start

Angst habe ich nicht, aber ich weiß, dass die nächsten Wochen sehr anstrengend werden", sagt die 31-jährige. Immerhin wird sie es in Hohenschönhausen mit sechs Klassen zu tun haben. Das bedeutet nicht nur viel Unterrichtsvorbereitung, auch müssen jede Menge Namen gelernt werden. Das Einschneidenste aber: Von jetzt an ist sie voll verantwortlich. Wenn also etwa Eltern so richtig sauer und unzufrieden sind, dann gibt es da keinen gestandenen Lehrer mehr, der die Nachwuchslehrerin raushaut. Gespannt ist sie auf den Neubeginn aber noch aus einem anderen Grund: Mit dem Osten hat sie bislang wenig Erfahrung.

Die Vorbereitung

Wie eine Trophäe hält Birgit Sasse ihren neuen Lehrer-Kalender hoch. Den findet sie toll. Am Freitag hat sie sich schon mal aus der Schule einige Bücher geholt, damit sie weiß, womit bei "Seelenbinder" gearbeitet wird. Und dann liegt noch ein frisch angeschafftes "Kursbuch Geschichte" auf ihrem aufgeräumten Schreibtisch im Wohnzimmer. Gleich nachdem sie aus den USA zurückgekehrt war, hat sie sich in die S-Bahn an der Osdorfer Straße gesetzt, um den Weg abzufahren. Gut 45 Minuten braucht es bis zur Landsberger Allee. Halb so schlimm. Ob sie eine neue Aktentasche kauft, hat sie noch nicht entschieden.

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