Berlin : Schutz von höchster Stelle

Das Studentendorf Schlachtensee ist nun ein nationales Kulturdenkmal

Cay Dobberke

Ob Jens-Uwe Köhler von der Betreiber-Genossenschaft des Studentendorfes Schlachtensee wirklich bald eine Kiste Champagner erhält, muss sich noch zeigen. Mit einem Projektentwickler, dessen Firma die Siedlung vor Jahren durch Luxuswohnungen ersetzen wollte, hatte er gewettet, dass die Studenten bleiben dürfen. Nun ist klar, dass Köhler gewonnen hat: Die Bundesregierung hat die aus den 50er Jahren stammende Siedlung soeben zum nationalen Kulturdenkmal ernannt. Und die Modernisierung läuft: Rund 800 Bewohner sind schon wieder eingezogen – darunter neben Studenten aus aller Welt auch Künstler. Diese dürfen Altbauten, die noch nicht saniert sind, mietfrei als Atelier- und Wohnräume nutzen und müssen nur Betriebskosten zahlen.

„Das Studentendorf soll ein Knotenpunkt für ganz Zehlendorf werden“, sagt Christa Markl-Vieto, die einst dort wohnte und heute den Aufsichtsrat der Genossenschaft leitet. Die Kneipe „Club A 18“ zählt seit langem zu den beliebtesten Treffpunkten junger Leute in Zehlendorf; im Veranstaltungssaal gibt es Konzerte, Performances und Partys. Zwei Wohnbauten wurden zu Gästehäusern umgewidmet, in 66 Zimmern und zwei Appartments können Gäste übernachten.

Unter Denkmalschutz steht das Studentendorf schon seit 1990. Denn die kleineren, würfelförmigen Häuser stammen aus den 50er bis 60er Jahren und wurden mit Geldern der US-Regierung nach dem Vorbild amerikanischer Campusarchitektur gebaut. In den 70ern kamen Bauten für Wohngemeinschaften hinzu.

Den Status als „Kulturdenkmal von besonderer nationaler Bedeutung“ hatte die Genossenschaft bei der Bundesregierung beantragt. Zum Erfolg führte laut Köhler, dass es nicht allein um die Architektur ging, sondern auch um das „soziale Miteinander“ in der Studentengemeinschaft.

Jetzt stehen Fördergelder des Bundes in Höhe 250 000 Euro zur Verfügung. Damit wird ein noch unvermieteter Altbau saniert, die Fertigstellung ist zum 50. Jubiläum der Grundsteinlegung im Herbst 2007 geplant. Bis 2016 soll die gesamte Siedlung erneuert sein.

Am Freitag wurde mit Ehrengästen und Politikern gefeiert. Kultursenator Thomas Flierl (Linkspartei/PDS) unterstrich die Bedeutung des „architektonischen Erbes der 50er Jahre“. Dieses sei Ende der 90er Jahre vom Senat „missachtet“ worden – die damalige Landesregierung hatte den Abriss und Verkauf geplant.

Um die Sanierung zu finanzieren, musste das Studentendorf „zwei Kröten schlucken“, wie es Bewohner ausdrücken. Einer der beiden Parkplätze wurde verkauft, dort entsteht gerade eine Wohnsiedlung mit Doppelhäusern. Auf dem anderen Parkplatz will sich ein Aldi-Markt ansiedeln. Die Baugenehmigung ist allerdings noch nicht in Sicht: Nach den Worten des Steglitz-Zehlendorfer Baustadtrats Uwe Stäglin (SPD) sind die Probleme bei der Verkehrsanbindung noch nicht gelöst.

Informationen im Internet

www.studentendorf.com

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