Berlin : Schwachstelle

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Gerd Nowakowski über

Autonome und Terroristen

Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch ist ein vorausschauender und vorsichtiger Mann. Den kommenden 1. Mai mit seiner ritualisierten Randale in Kreuzberg hatte er schon im vergangenen Herbst im Blick. Damit das Jahrestreffen der Kreuzberger Autonomen die Polizei nicht auf dem falschen Fuß und unvorbereitet erwischt, verschob er die geplante Umstrukturierung der Schutzpolizei. Die Reform wird erst nach dem 1. Juli angepackt, damit die neue Führung nicht unerfahren gegen den Randaleerprobten Schwarzen Block antreten muss.

Die zur exotischen Randgruppe geschrumpften Linksradikalen werden das stolz vermerken. Sie werden offenbar ernster genommen als Terrorwarnungen. Dem Staatsschutz, der nie wichtiger war als jetzt, wird überraschend eine Umstrukturierung zugemutet – mit einem Konzept, dem das Bundeskriminalamt skeptisch gegenübersteht. Die Gefährdung wächst, doch die Beamten, die extremistische Taten aufklären und verhindern sollen, sind führungslos und verunsichert. Die geplanten Taskforces aber können nur so gut arbeiten, wie die ganze Truppe funktioniert. Ob die Steine werfenden Autonomen die größere Gefahr sind, sollte sich der Polizeipräsident noch mal überlegen.

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