Berlin : Schwarz auf weiß

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Von Andreas Conrad

Nun haben wir es also schwarz auf weiß, aber getrost mag man derlei nicht nach Hause tragen: Insolvenz am Hardenbergplatz, Kiepert am Abgrund. Na und, wird der eine oder andere diese Nachricht abtun, kaufe ich meine Bücher eben woanders. Ja, wenn er es denn täte! Aber das ist eben das Problem der ganzen Branche, dass Gedrucktes derzeit nicht in hohem Kurs steht, der Euro im Zweifelsfall in der Tasche bleibt. Das gilt nicht nur für den privaten Leser, auch Großkunden wie Universitäten klopfen spürbar seltener bei den Buchhändlern an.

Man wird in dem aktuellen Fall nicht gleich eine Kulturkrise beschwören müssen, aber einen mittelgroßen Seufzer ist dies schon wert, zumal die Kiepert-Insolvenz im Aus für den Konzertveranstalter Downtown eine bedauerliche Ergänzung findet. Und nur Zynisten werden mit Blick auf das Pisa-Desaster höhnen, dass die Durchschnittsleser die Bücher, die sie jetzt nicht mehr kaufen, sowieso kaum mehr lesen könnten. Doch auch aus anderem Grund ist das KiepertDebakel Anlass zur Kultur-Melancholie.

Kiepert – das war nicht einfach irgendein Buchladen. Das war ein Händler, bei dem man sicher sein konnte, kompetent beraten zu werden, kein Fast-Food-Grossist, sondern ein traditioneller Bestandteil des alten West-Berliner Kulturlebens. Ironie der Kulturgeschichte, dass dem Unternehmen wohl gerade die Expansion nach dem Fall der Mauer nicht bekommen ist. Noch ist nicht alles verloren, noch besteht Hoffnung, dass die Buchkultur, die immer auch eine Buchhandelskultur ist, auf den n Kiepert auch in Zukunft nicht ganz verzichten muss. In der Hardenbergstraße konnte man nach Herzenslust stöbern, die Auswahl war einfach phänomenal. Wo man anderswo erst bestellen musste, hier konnte man zugreifen und schwarz auf weiß getrost nach Hause tragen.

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