Berlin : Schwede im Untergrund

Ausstellung über den Architekten Grenander

Bernhard Schulz

Er ist ohne Zweifel der bekannteste Unbekannte der Berliner Baugeschichte: Alfred Grenander, der Architekt der Hoch- und Untergrundbahn. 69 Bahnhöfe hat er zwischen 1902 und 1930 geschaffen, doch kaum jemand kennt den Namen des Baumeisters. Diese Wissenslücke schließt nun das Technikmuseum in Zusammenarbeit mit der schwedischen Botschaft mit einer exquisit gestalteten Ausstellung und einem prachtvollen Katalog.

In seinem Heimatland blieb der 1863 geborene Schwede unbekannt, lebte er doch ab 1885 in Berlin, bis zu seinem Tod 1931. Mit der Ausstellung kommt nun erstmals sein ganzes Werk zum Vorschein. Die Überraschung: Bis zum Ersten Weltkrieg hat Grenander zahlreiche Villen in Berlin errichtet, war zudem Möbelgestalter, der bei der Weltausstellung 1904 als „deutscher Künstler“ teilnahm. Seine ersten Entwürfe für die Hochbahngesellschaft – er sollte die klobigen Stahlstützen künstlerisch verzieren – zeigen den Einfluss des Jugendstils, ebenso wie der Bahnhof „Deutsche Oper“ von 1908. Kurz darauf jedoch nahm er den Neuklassizismus der Jahre unmittelbar vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs auf. Das Meisterwerk dieser Zeit ist der U-Bahnhof Wittenbergplatz mit seinem an Schinkel orientierten Empfangsgebäude.

Grenander ging stets mit der Zeit. Auch das macht es schwierig, das vielfältige Werk diesem einen Urheber zuzuordnen. Denn in der Zeit der Weimarer Republik, als das Berliner U-Bahnnetz mächtig anwuchs, baute er ganz im Sinne der neuen Sachlichkeit, ohne Verzierungen, mit glatten Stahlstützen, vor allem aber mit den für ihn typischen farbigen Keramikfliesen. Dazu erprobte er in fast jedem Bahnhof ein individuelles Beleuchtungssystem. Im U-Bahn-Teil des Bahnhofs Nollendorfplatz (1926) schuf er eine kupferne, nach oben abstrahlende „Lichtrinne“, am neu gestalteten Knotenpunkt Alexanderplatz, dem Schlusspunkt seiner Karriere von 1930, entwarf er für das niedrige Zwischengeschoss für die fliesenumhüllten Stützen Kapitelle aus Lichtleisten.

Deutsches Technikmuseum, Trebbinerstr. 9, bis 29. April 2007. Di.-Fr. 9 bis 17.30 Uhr, Sa./So. 10-18 Uhr. Katalog im Nicolai Verlag, auch im Buchhandel 29,90 Euro. – Am 18. und 19. November veranstaltet die BVG ein „Grenander-Wochenende“. Informationen zum Programm unter www.bvg.de sowie www.dtmb.de.

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