Schweinegrippe : Kuriere steckten mit Serum im Stau

Längst nicht allen Praxen wurde am Montag der H1N1-Impfstoff geliefert. Für viele der etwa 200 Ärzte lag noch kein gültiger Vertrag vor.

Ansturm auf die Arztpraxen, fehlender Impfstoff, frustrierte Patienten: Die Immunisierungsaktion gegen die Schweinegrippe hat am Montag teilweise chaotisch begonnen. Bei vielen niedergelassenen Ärzten, die sich an der Kampagne beteiligen und schon auf der Servicewebsite „www.berlin.de/impfen“ stehen, fragten am Vormittag oft mehr als hundert Interessenten wegen eines Termines an. Doch in drei von vier Praxen gab es Absagen. „Der Impfstoff wurde noch nicht an uns ausgeliefert“, hieß es als Begründung. Bevor nicht klar sei, bis wann man die angeforderten Dosen erhalte, werde niemand einbestellt. Die Gesundheitsverwaltung versicherte am Montagnachmittag: „Spätestens bis Mittwoch werden fast alle bislang beteiligten Praxen entsprechend ihrer Bestellung mit dem Impfstoff Pandemrix versorgt sein.“

Am Montag kamen die Impfstoff-Kuriere wegen der angespannten Verkehrssituation nur langsam in der Stadt voran. Der Hauptgrund für die Anlaufschwierigkeiten ist aber offenbar, dass in vielen Fällen die formalen Voraussetzungen für die Auslieferung noch nicht vorlagen. Der Impfstoff wird an alle bislang 215 beteiligten Praxen von einem zentralen pharmazeutischen Großbetrieb aus verteilt – der Schöneberger St.-Hubertus-Apotheke. Nach Auskunft von deren Inhaber, Bernd Drevenstedt, können Bestellungen erst bearbeitet werden, „wenn eine Praxis von der Gesundheitsverwaltung als Impfpraxis anerkannt ist und ein entsprechender Vertrag vorliegt“. Bei vielen Ärzten sei das erst Ende vergangener Woche geschehen. Dennoch hätten sie schon zuvor Pandemrix geordert. Drevenstedt: „Diese Bestellungen blieben wegen der fehlenden formalen Voraussetzungen erst einmal liegen.“

Bis Montagabend sollte der Impfstoff laut Gesundheitsverwaltung an rund 90 Praxen ausgeliefert sein. Am Dienstag würden weitere 105 Praxen beliefert. Die St.-Hubertus-Apotheke garantierte gestern, ab sofort müsse kein Arzt mehr länger als 48 Stunden auf die Anlieferung warten . „Wir können bis zu 1000 Impfstellen pro Woche anfahren.“

Wie berichtet, wollen bislang rund 400 von 2000 angefragten Arztpraxen an der Impfaktion teilnehmen. Nur etwa 200 waren aber am Montag beim Impfstart dabei, bei allen weiteren fehlten noch die vertraglichen Voraussetzungen. Die von ihnen unterzeichneten Papiere waren von der Verwaltung noch nicht fertig bearbeitet. „Jeder Vertrag muss von uns zeitraubend durchgeschaut werden“, sagt Behördensprecherin Marie-Luise Dittmar. Teils würden Ärzte das Honorar pro Spritze von 5,50 Euro durchstreichen und mehr fordern oder bei der Haftung Formulierungen ändern. Außerdem gelte es, auf fachliche Voraussetzungen zu achten. So darf nur impfen, wer einen Kühlschrank für Arzneimittel besitzt.

Noch diese Woche sollen aber die meisten der 400 Praxen offiziell anerkannt und einsatzbereit sein, versichert die Behörde. Am Montag hätten zudem „etliche weitere Praxen“ ihre Bereitschaft erklärt.

In Brandenburg beginnt die Impfaktion am Mittwoch. Dort hat die Kassenärztliche Vereinigung (KV) eine Website mit den Adressen aller Impfärzte geschaltet. Wegen des Ansturms von Interessenten brach diese Seite am Montag zeitweise zusammen. Christoph Stollowsky

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