Schwüles Wetter in Berlin : Eine ganze Stadt stöhnt unter der Hitze

Ganz Berlin schwitzt. Wetterfühlige und Fahrgäste kommen schlecht mit der Hitze zurecht. Aber Mücken und Nacktschnecken profitieren vom schwülen Wetter in Berlin.

Vinzenz Greiner, Stefan Jacobs
Die Hitze hat Berlin fest im Griff. Während Wetterfühlige und BVG-Fahrgäste stöhnen, freuen sich Schnecken und Mücken.
Die Hitze hat Berlin fest im Griff. Während Wetterfühlige und BVG-Fahrgäste stöhnen, freuen sich Schnecken und Mücken.Foto: Kay Nietfeld/dpa

Die Stadt schwitzt. Diese Schwüle! Der Deutsche Wetterdienst (DWD) gab für Dienstag Nachmittag bereits eine Unwetterwarnung heraus. „Das Potenzial für lokalen Starkregen ist enorm“, sagt auch Heiko Wiese vom Wetterdienst Meteogroup. Hauptzutat ist feuchtwarme Luft vom Mittelmeer, die über unserer Region auf andere Luftmassen trifft. Ausweichen kann sie nur nach oben, wo sie zu mächtigen Wolken kondensiert. Die ergossen sich heute über Teilen Spandaus. Anderswo fiel kaum ein Tropfen. Verstärkt wird dieser Effekt vom schwachen Wind, der die Gewitter nur langsam weiterschiebt. Erst am Donnerstag soll sich trockenere Luft durchsetzen. Aber schon am Wochenende wird’s sehr warm bei gefühlt mehr als 30 Grad.

Wie Mücken und Schnecken von der schwülen Hitze profitieren

Unkraut. Derzeit sieht man in Berlin beinahe das Gras wachsen. „Beim gegenwärtigen ’Regenwaldklima’ wachsen Rasen und Unkraut in zwei bis drei Wochen zehn statt fünf Zentimetern“, sagt Patric Ryzek, Leiter der Bezirksgärtnerei Charlottenburg-Wilmersdorf. Alexander Henke, der sich in einem Teil des Bezirks um die Bepflanzung kümmert, bestätigt das. „Bei hoher Luftfeuchtigkeit fühlen sich die Pflanzen wohl – viel wohler als wir Menschen“, sagt Henke und lacht.

Nacktschnecken. Die Einschleimer sind wieder da. Mit ihnen habe man sehr viele Probleme, sagt Barbara Jäckel vom Pflanzenschutzamt Berlin. „Dieses Jahr ist ein starkes Schneckenjahr.“ Kahlfraß inklusive. Aufgrund des milden Winters und der Sommerfeuchtigkeit gebe es viele Schnecken. Derzeit fragten viele Bürger nach Mitteln gegen die Plage. „Aber auch Baumärkte haben uns mitgeteilt, dass sie sehr viel Schneckenkorn verkaufen.“ Mücken. Noch hält sich das Gesumme in Grenzen, aber das dürfte sich bald ändern. Wärme beflügelt die Insekten, sagt Derk Ehlert, Wildtierexperte des Senats. Für Mücken, die ihre ersten Lebenswochen als Larven in Gewässern – oder auch in einem nassen Blumenuntersetzer – verbringen, ist das jetzige Wetter ideal für die Eiablage. „Auch für Vögel sind die vielen Mücken wunderbar“, sagt Ehlert.

Warum Legehennen und BVG-Fahrgäste unter dem Wetter leiden

Wetterfühlige. Die Schwüle fordert das Herz-Kreislauf-System, sagt eine Medizin-Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Am Wochenende fuhr die Berliner Feuerwehr mit zwölf Rettungswagen zusätzlich. Innerhalb zweier Stunden musste der Notfallrettungsdienst 93 Mal ran.

Auch am Dienstag war die „allgemeine Befindensbeinträchtigung“ laut DWD noch hoch. Asthmatiker sollten sich möglichst nicht draußen aufhalten. Heute werden Menschen mit entzündlichen Rheumaerkrankungen das Wetter in den Gelenken spüren.

Es unwettert in Berlin. Diese Aufnahme entstand im August 2011 entstanden diese Aufnahmen.
Es unwettert in Berlin. Diese Aufnahme entstand im August 2011 entstanden diese Aufnahmen.Foto: David Heerde

Fahrgäste. Eigentlich sollte der Temperaturunterschied zwischen Businnerem und draußen laut BVG maximal fünf Grad betragen. Die Amplitude der gefühlten Temperatur ist jedoch deutlich höher – insbesondere, wenn bei einem Halt kein Fahrtwind durch die Fenster kommt (und die Klimaanlage wegen der geöffneten Fenster sinnlos ist). Und auch die U- und S-Bahnen heizen sich mächtig auf, wenn sie bei warmen Temperaturen und Sonne über der Erdoberfläche fahren, erklärt eine BVG-Sprecherin.

Geflügel. Weil Geflügel schlecht schwitzen kann, setzt bei feuchtheißen Temperaturen die Schnabelatmung ein, die in Hecheln und dann in den Hitzetod münden kann. Der „Hitzestress bei Geflügel“ war Dienstag und Mittwoch laut DWD in Berlin und Brandenburg hoch. Der Geflügelwirtschaftsverband Brandenburg e.V. vermeldet jedoch noch keine großen Probleme bei Legehennen. Und für Puten gäbe es spezielle Kühlanlagen und Auslauf, „damit sich die Wärme verteilt“, sagt ein Verbandssprecher.

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