Seelsorger protestiert : Abschiebung trotz Hepatitis C

„Für Nguyen könnte es den Tod bedeuten“ - unter den 50 Vietnamesen, die am Montag abgeschoben werden sollen, ist ein 23-Jähriger mit Hepatitis C. Der Gefängnis-Seelsorger protestiert.

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„Ich werde nicht zum Flughafen gehen“, sagt Ludger Hillebrand: „Das wäre zu schmerzlich für mich.“ Der 48-jährige Jesuitenpater arbeitet als Seelsorger im Abschiebegefängnis Berlin-Köpenick. Am Montag sollen, wie berichtet, etwa 50 Vietnamesen von Schönefeld nach Hanoi abgeschoben werden, am 6. Dezember weitere 50. Zehn der Frauen und Männer, die um 9.50 Uhr in die Aeroflot-Maschine nach Moskau steigen, kommen aus der Köpenicker Abschiebehaft. Ludger Hillebrand hat sie betreut, er kennt einige ihre Geschichten.

„Die meisten sind Armutsflüchtlinge aus dem unterentwickelten Zentralvietnam oder dem Norden“, erzählt er. Manche hätten hier Verwandte oder sogar Lebensgefährten und Kinder. Die wenigsten kämen aus kriminellen Milieus. „Es sind Menschen, die Haus und Hof verkauft haben, um die Schleuser zu bezahlen und hier in Deutschland Geld zu verdienen.“

Wenn sie scheiterten und abgeschoben würden, sei das nicht nur für sie, sondern auch für ihre Angehörigen in Vietnam eine Katastrophe, sagt Hillebrand: „Und für einen könnte es den Tod bedeuten. Dabei ist er erst 23“. Das Schicksal des jungen Mannes, der morgen in das Flugzeug steigen muss, sei leider vorhersehbar: „Nguyen hat Hepatitis C, die noch nicht ausgebrochen ist, was aber jederzeit geschehen kann. Dann wird er sterben, denn in Vietnam kann er sich die teuren Medikamente nicht leisten.“

Ein Gutachten habe dies bestätigt und ein Anwalt versucht, die Abschiebung zu verhindern, weil eine solche laut Gesetz nicht erfolgen darf, wenn dem Flüchtling Schaden an Leib und Leben droht. Die Ausländerbehörde argumentierte damit, dass die Krankheit noch nicht ausgebrochen sei. „Mit diesem Argument schiebt man auch HIV-Infizierte ab“, sagt der Seelsorger bitter.

Flüchtlingsräte kündigten unterdessen Proteste gegen die Sammelabschiebungen an und forderten den Piloten auf, nicht zu fliegen.

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