Berlin : Sein Herz schlägt für die Krone

Heinz Geguschs Liebe gilt dem Bode-Museum. Er sammelte 70 000 Euro und ließ den Kuppelschmuck restaurieren

Christian van Lessen

Für Heinz Gegusch war es Liebe auf den erten Blick. Beim Schulausflug von Tegel zur Museumsinsel hatte er nur Augen für diese wunderbare große Kuppel und die acht goldenen Kronen über den Dachgauben. Sie funkelten in der Sonne wie Diamanten. Zehn Jahre später waren die Kuppel und ihr goldener Schmuck vom Krieg zerstört. Aber die Liebe hielt sich über fünf Jahrzehnte. Gestern kehrte eine der goldenen Kronen zur restaurierten Kuppel des Bode-Museums zurück, die anderen folgen in Kürze. Und Heinz Gegusch, mittlerweile 79 Jahre alt, wurde als Mann gefeiert, der mit seiner Sponsoren-Initiative der weltberühmten Museumsinsel die Krone aufgesetzt hat.

Als Gegusch dem Generaldirektor der Staatlichen Musseen, Peter Klaus Schuster, am Freitag symbolisch die erste Krone übergab, war Rührung zu spüren. Der gelernte Drechslermeister, geboren in Gesundbrunnen, konnte sich einen Traum erfüllen und ein Stück Kindheit, eine verlorene Liebe zurückholen. Ohne ihn hätte es die Kronen nicht gegeben, weil die 1993 begonnene und bis 2005 dauernde Sanierung des Bode-Museums den Dachschmuck nicht berücksichtigt hat. Gegusch, dessen Hermsdorfer Tischlerei seit fünf Jahren im Museum mit restauriert, wollte sich damit nicht abfinden, dass der wiederhergestellten Kuppel gerade das fehlen sollte, was er einst so liebgewonnen hatte. Was er sehnlichst herbeigewünscht hatte, als er einst nur deshalb mit der S-Bahn nach Ost-Berlin fuhr, um von der Strecke aus das Museum zu sehen.

Also entschloss sich Gegusch, eine Krone zu sponsern und Gleichgesinnte für die Finanzierung der sieben übrigen zu finden. Die Handwerkskammer war gleich mit Begeisterung dabei, einige große Firmen anfangs auch, aber sie fanden eher die Idee toll, weniger das spätere Bezahlen. Doch letztlich kamen doch genügend Spender zusammen, Handwerksbetriebe und Banken.

Peter Klaus Schuster, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, erinnerte sich gestern mit wohligem Schauer daran, dass er irgendwann am späten Abend bei Nebel und Nieselregen den Kupfergraben entlangging und plötzlich in der Dunkelheit von einem Mann angesprochen wurde. Der habe mit seinen weißen Haaren wie der Schauspieler Jean Gabin ausgesehen und gefragt, ob er bei einer Krönung behilflich sein könne. Es war Gegusch, und Schuster ließ sich nur allzu gern helfen. So konnten für die Goldstücke 70000 Euro voll und ganz von Sponsoren finanziert werden. Auch das zuständige Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, das für die Sanierung des Museums 160 Millionen Euro veranschlagt, war angenehm überrascht und lud nun zur großen Enthüllung einer der Kronen in seine Räume gegenüber dem Bodemuseum.

Und hier nun war Gegusch der Mann der Stunde. Er erzählte von den Aufträgen seines 25-Mann-Betriebes für das Rote Rathaus oder das neue Bundeskanzleramt, wo die zwei großen Kabinettstische von den Hermsdorfern getischlert wurden. Dass die vom Kran aufgesetzte erste Krone wieder herunter musste, weil wegen Kälte und Rutschgefahr nicht montiert werden konnte, war für Gegusch nicht so wichtig. Er hat sie wieder funkeln gesehen, wie einst.

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