Seit 18 Jahren vermisst : Manuel Schadwald verschwand auf dem Weg ins FEZ

Manuel Schadwald wollte am 24. Juli 1993 ins Freizeit- und Erholungszentrum (FEZ) in der Wuhlheide fahren. Dort kam er nie an. Findet sich jetzt eine neue Spur?

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Auf der Spur. Bisher sind zwei ehemalige Mitarbeiter der Parkeisenbahn verurteilt worden, ein 26-jähriger Schaffner und ein 37-jähriger Betriebsleiter. Sie haben mehr als 50 Übergriffe auf 13 Kinder gestanden. Die Justiz ermittelt gegen weitere sieben Tatverdächtige, darunter sechs Eisenbahner.
Auf der Spur. Bisher sind zwei ehemalige Mitarbeiter der Parkeisenbahn verurteilt worden, ein 26-jähriger Schaffner und ein...Foto: dpa

Die Missbrauchsfälle bei der Köpenicker Parkeisenbahn sind erst seit wenigen Tagen öffentlich bekannt, da erinnern sich viele an einen ungelösten Fall der Kriminalgeschichte, der seit Jahren die Stadt bewegt. Auch darin hat die Wuhlheide eine Rolle gespielt. Es ist die Geschichte des Manuel Schadwald.

Der damals Zwölfjährige verließ am 24. Juli 1993 die Wohnung seiner Eltern im Gäßnerweg in Tempelhof. Schadwald machte sich auf den Weg zum Freizeit- und Erholungszentrum (FEZ) in der Wuhlheide, auf dessen Gelände seit den 50er Jahren die Parkeisenbahn fährt. Schadwald kannte den Weg, er ist ihn oft gefahren, soll im FEZ an den bereitgestellten Computern gesessen haben. Wo sich seine Spur verliert, ist unklar. Nur in der Wuhlheide kam der Junge aus Tempelhof an jenem 24. Juli nicht an.

Noch immer gehört Schadwald, der heute 30 Jahre alt wäre, zu den 17 Berliner Vermissten, die die Fahnder des Landeskriminalamts mit Foto und Beschreibung über ihre Internetseite suchen. Man habe allerdings seit langem keine neuen Hinweise zu dem Fall erhalten, heißt es bei der Staatsanwaltschaft. Und schon gar nicht im Zusammenhang mit den aktuellen Ermittlungen. Die jetzt verurteilten Männer waren damals acht und 19 Jahre alt. Nach Tagesspiegel-Recherchen gibt es Hinweise, dass der Missbrauch bis in die 90er Jahre zurückreicht.

Am Wochenende betonte das FEZ, dass die Übergriffe sich ausschließlich auf dem Eisenbahngelände abgespielt hätten. Und dieses habe formal nichts mit dem Kinder- und Jugendzentrum zu tun.

Die Polizei ging nach Schadwalds Verschwinden schnell von einem Verbrechen aus. Doch jahrelang kam sie bei der Suche nach dem Jungen nicht voran. 1997 hieß es, es gäbe Hinweise, dass Schadwald von Pädophilen nach Holland verschleppt worden sei. Später hieß es, Manuel sei auf einem Gewalt-Video zu sehen. „Diese Hinweise konnten jedoch nicht verifiziert werden“, heißt es bei der Polizei. Zwischenzeitlich gerieten auch die Eltern des Kindes ins Visier der Beamten. Erst vor einem Jahr vernahmen Ermittler für ungelöste Altfälle noch einmal die Mutter Manuel Schadwalds. Die Polizisten sollen dabei auch Daten von ihrem Computer sichergestellt haben. Eine heiße Spur ergab sich daraus nicht.

Im April kam unbestätigten Informationen zufolge etwas Bewegung in den Fall Schadwald: Der verhaftete Kindermörder Martin N. aus Hamburg soll Kontakte zu Berliner Pädophilen gehabt haben. N. gilt als Mörder des neunjährigen Dennis K., der im September 2001 während einer Klassenfahrt entführt und getötet worden ist. Offenbar wird geprüft, ob N. etwas mit der Verschwinden Schadwalds zu tun haben könnte.

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