Berlin : Selbstmordversuch im Zoo?: Nilpferd-Rafting (Glosse)

Was wäre der Mensch ohne das Tier? "Der Hund blieb mir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde" lautet eine Standardinschrift der deutschen Hundefriedhöfe, und es ist sicher kein Wunder, dass die Zoologischen Gärten hier zu Lande von Besuchern überlaufen sind. Doch was wird ihnen dort geboten? Phlegmatische Pandas, schnarchende Bären, romantisch glotzende Wölfe. Und im Dunkel der Nachttierhäuser hängen die Fledermäuse herum, als hätten sie den Begriff "nachtaktiv" noch nie gehört. Wie sollen wir uns angesichts dieser Passivität der Fauna so verbunden fühlen, wie sie es verdient hätte? Doch es mehren sich die Zeichen, dass die Besucher aufmucken. Gestern zum Beispiel, als ein Mann ins Eisbärbecken des Berliner Zoos sprang und dort in netter Form ein wenig angefallen wurde, fanden andere Gäste Gefallen am unerwarteten Spektakel: Einer sagte, er denke gar nicht daran, vom Bärengelände wegzugehen, denn für die Schau habe er schließlich bezahlt, nicht wahr? Zoologen: So isses. Schaffen wir der Spaßgesellschaft endlich Zugang zu unseren Tieren! Bungee-Jumping am Giraffenhals, Extremdiving mit den Seelöwen, Hardcore-Rafting rund ums Nilpferd - das ist die Zukunft. Anfänger können beim Braunbären-Talk ohne Gitter oder beim Gorilla-Gotcha erste Erfahrungen sammeln. Ja, es wird den einen oder anderen Toten geben. Aber irgendeine passende Inschrift für die Grabsteine sollte sich schon finden.

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