SERIE LESERDISKUSSION : Licht und Bänke

Eine Lösung für den Louise-Schroeder-Platz.

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In der Diskussion. Auf dem Podium (v. li.) Superintendent Martin Kirchner, Klaus Lipinsky, Chef der Berliner Bäder-Betriebe, Markus Hesselmann, Berlin-Ressortleiter beim Tagesspiegel, Mitte-Stadträtin Sabine Weißler, Anwohner Werner Schmidt.
In der Diskussion. Auf dem Podium (v. li.) Superintendent Martin Kirchner, Klaus Lipinsky, Chef der Berliner Bäder-Betriebe,...

Gerade haben die Landschaftsplaner ihre Ideen für die Neugestaltung desLouise-Schroeder-Platzes in Wedding vorgestellt, da setzt Sabine Weißler, die zuständige Stadträtin, die Perspektive der permanent klammen Kommunalpolitikerin dagegen. „Die Probleme des Platzes sind für mich erstens die Trinker und zweitens der Flieder“, sagt sie. Verblüffung. Der Flieder? Klar, antwortet sie, der Platz sei von diesen Gebüschen „vollkommen zugemauert“, das sei wie „vier Wochen Hochzeit und 48 Wochen Friedhof“. Es gebe andere, kleinere Gehölze, die geeigneter seien.

Damit waren die Zuhörer im Restaurant „Seepferdchen“ mitten im Thema: Denn die Planer der Firma Seebauer, Wefers und Partner hatten in ihrer Analyse des Platzes zwar nicht ausdrücklich den Flieder kritisiert, aber doch vor allem Maßnahmen gegen den Verkehrslärm und für höhere Transparenz des Platzes vorgeschlagen. Transparente, zum Teil bewachsene Schallschutzwände aus Glas sollen beide Ziele erreichen helfen, wie Planer Martin Steinbrenner erläuterte. Zudem wollen sie den Platz barrierefrei erschließen und durch Solarmodule mit LED-Leuchten erhellen.

Der erste Einwand des Mieterbeirats Werner Schmitt lag auf der Hand. „Das mit den Glaswänden finde ich nicht übel“, sagte er, „aber da können wir die Reinigungstrupps schon vor der Einweihung bestellen.“ „Das wissen wir“, entgegnete Steinbrenner, „aber das gehört nun mal zur Großstadt, und wir wollen keine schweren Schallschutzwände, weil die den Platz noch stärker isolieren.“ Graffiti seien unmöglich völlig zu verhindern, aber man könne Teile der Wände für Kunst freigeben und so das wilde Sprayen kanalisieren.

Klaus Lipinsky, als Chef der Bäder-Betriebe auch zuständig für das angrenzende Kombi-Bad, sprach sich dafür aus, die Bürger in den Planungsprozess einzubinden. Er finde das Konzept insgesamt gut“, aber generell komme es vor allem darauf an, den Platz an die Bedürfnisse anzupassen, „und Architektur spielt dabei keine Rolle“. Auch Superintendent Martin Kirchner von der Stiftung der Hospitäler zum Heiligen Geist und St. Georg, sagte, vieles habe ihm sehr gefallen, aber es müsse geklärt werden, wer eigentlich die Nutzer des Platzes seien. Überwiegend handele es sich wohl um die Bewohner der zahlreichen Altenheime in der Umgebung. Ihnen müsse die „Begegnung mit dem Leben“ ermöglicht werden. Er verwies auf den Leopoldplatz, wo es gelungen sei, die Trinker nicht zu verdrängen, sondern ihnen einen Raum am Rande zu schaffen.

Stadträtin Weißler brachte immer wieder Kostenaspekte ins Spiel. Ein Springbrunnen, den die Planer ins Spiel gebracht hatten, sei finanziell unmöglich zu realisieren. Die LED-Beleuchtung nannte sie dagegen „total interessant“, zumal deren Betrieb keine Kosten verursache. Allerdings müsse hier die Gesetzeslage geprüft werden, die in Berlin eine Beleuchtung von Parks nicht zulasse. Als realisierbaren Schritt nannte sie die Auslichtung desFlieders, die die soziale Kontrolle verbessern und das Gemeinschaftsgefühl der Nutzer stärken könne. Außerdem sprach sie sich für mehr Sitzgelegenheiten nicht nur in den Nischen der Platzränder aus und nannte als ihr Lieblingsprojekt „Bänker für Bänke“. Die Vertreter der Berliner Bank waren vorbereitet: Sie hatten eine mitgebracht, hübsch gelb angestrichen. Bernd Matthies

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