SERIE LESERDISKUSSION : Mehr Leben für den Antonplatz

Was Anrainer von den Ideen zur Umgestaltung halten.

von
Podium. Gerd Nowakowski, Bodo Hildebrandt, Jens-Holger Kirchner, Jörg Fügmann.
Podium. Gerd Nowakowski, Bodo Hildebrandt, Jens-Holger Kirchner, Jörg Fügmann.

Weg mit den maroden Bänken, den mickrigen Bäumen und den verschmutzten Gehwegplatten. Wenn es nach den Plänen von TDB Landschaftsarchitekten ginge, würden auf dem Antonplatz in Weißensee Platanen wachsen, der Boden erhielte einen sogenannten Parkbelag mit Ornamenten und der Platz würde mit Stühlen möbliert. Mit wenigen Veränderungen könnte „ein grünes Signal“ gesetzt werden, so zumindest stellt es sich Planerin Eva-Maria Boemans vor. Aus dem seelenlosen Platz könnte ein Ort der Begegnung werden.

Der Entwurf, der in der Montagausgabe zu sehen war, rief während des Diskussionsabends im Kino Toni unterschiedliche Reaktionen hervor. Stadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) sagte, der Vorschlag sei „ernsthaft zu überprüfen“. Er gestand, mit dem Platz schon lange unzufrieden zu sein. Der Umgestaltung des nördlichen Bereichs zur Jahrtausendwende unterstellte er „eine Philosophie, die auf Pflegeleichtigkeit setzt“. Jörg Fügmann, Geschäftsführer der Kulturstätte Brotfabrik, bezeichnete die damaligen Veränderungen gar als „Körperverletzung“.

Kontrovers diskutiert wurden die Details des Entwurfs. So zweifelte Bodo Hildebrandt, Apothekenbetreiber und Vertreter der IG City Weißensee, etwa daran, dass Platanen zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität ausreichen würde. Er gab zu bedenken, dass es „zehn bis 20 Jahre“ dauern würde, bis die Kronen entsprechend üppig sein werden. Besonders skeptisch wurde die Idee beurteilt, den Platz mit Stühlen zu möblieren. „Ich glaube, die Bevölkerung hier ist noch nicht soweit für einen solchen Entwurf“, sagte Katharina Hildebrandt, die gemeinsam mit ihrem Mann die Apotheke am Antonplatz betreibt. Sie berichtete von geklauten Blumenkästen und Fahrradständern und prognostizierte den Stühlen ein ähnliches Schicksal.

Im Folgenden fokussierte sich die Diskussion weniger auf die ästhetischen Probleme vor Ort als auf die sozialen: auf die Randalierer und Alkoholiker, die ab den frühen Abendstunden den Platz dominieren und eine abschreckende Wirkung auf Passanten haben. „Null Toleranz“ forderte Kulturmanager Fügmann. Eine Haltung, die einer der Gäste als „sozialrassistisch“ bezeichnete. Tagesspiegel-Redaktionsleiter Gerd Nowakowski stellte klar: „Es geht hier nicht um Verdrängung sondern um eine vielfältigere Nutzung.“

Wie diese erreicht werden könnte, davon hatte das Publikum seine eigenen Vorstellungen. Als Elemente zur Belebung des Platzes wurden dauerhaft installierte Pavillons, ein Brunnen, Pflanzenkübel oder ein Denkmal vorgeschlagen. Nana Heymann

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