Berlin : Sexy, wild – und schottisch

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Vielleicht kündigt sich hier ein neuer Trend an. Gemessen am Beifall, den das schottische Sängertrio Caledon am Freitagabend für Anspielungen auf seine Bekleidung erhielt, dürfte der modebewusste männliche Berliner künftig Punkte bei den Frauen sammeln, indem er Bein zeigt und Faltenrock trägt. Denn die drei stimmgewaltigen Tenöre traten im traditionellen Kilt auf. Dazu trugen sie lange Kniestrümpfe und unterm Bauchansatz den „Sporran“, ein buschiges Felltäschchen, das beim Hüftschwung neckisch baumelte. So ausstaffiert, rissen Alan Beck, Ivan Sharpe und Jamie McDougall das Premierenpublikum im Tipi am Kanzleramt zu viel Beifall hin.

Der Jubel galt, von den Kilts mal abgesehen, vor allem der schwungvollen Interpretation traditioneller Folklore und moderner Popsongs. Das Trio präsentierte Lieder wie „Scotland Yet“ als wuchtig-patriotische Hymnen mit Piano- und Synthesizerbegleitung, schreckte bei Coverversionen von Songs wie „I am Sailing“ vor Kitsch und digitalem Panflötensound nicht zurück und mischte die Darbietung mit Huldigungen der schottischen Landschaft und Anzüglichkeiten über den Kilt und was darunter steckt.

Dass sich die klassisch ausgebildeten Sänger auch auf Zwischentöne verstehen, zeigten sie bei sanfteren Stücken wie „Loch Lomond“, in dem eine tragische Liebesgeschichte erzählt wird. Die Entdeckung des Abends war aber für manchen im Zelt, wie schön alte deutsche Volksweisen in neuem Gewande klingen. Für sein erstes deutsches Gastspiel hat das Trio sich die Lieder „Kein schöner Land“ und „In einem kühlen Grunde“ vorgenommen. Das Publikum war begeistert, langen Applaus spendeten unter anderem Meret Becker, Walter Momper, Renate Künast, Klaus Landowsky, Marianne Birthler und Klaus Böger. lvt

Caledon – Die schottischen Tenöre treten bis 30. April täglich außer Montag im Tipi auf, Karten unter Tel. 0180-3279358

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