Berlin : Shakespeares Schafschur-Rap

Premiere im Hexenkessel-Theater

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Der heimliche Hauptdarsteller am Montagabend im Monbijoupark war der Eisbär. „Nein!“, schrien die Kinder, als sich der Eisbär auf der Stegbühne dem ausgesetzten Baby näherte. Erleichtertes Aufatmen, als er es dann auf den Arm nahm und mit den plumpen Pfoten streichelte. Das Baby hat Leontes, der König von Sizilien, aussetzen lassen, weil er überzeugt ist, dass es von einem Nebenbuhler stammt. Denn Leontes ist von einem schrecklichen Geschwür befallen: der Eifersucht. Damit treibt er seine ganze Familie in den Ruin. Bis er merkt, dass seine Verdächtigungen falsch sind, ist es zu spät.

Aber Gott sei dank ist das „Wintermärchen“ eines der wenigen ShakespeareStücke, bei dem es trotzdem nur zwei Leichen gibt, und selbst die erwachen zum Happy End wieder zum Leben. Das Hexenkessel-Hoftheater, das dieses Jahr seinen zehnten Geburtstag feiert, hat den Klassiker auf anderthalb Stunden Spielzeit gekürzt und daraus ein launiges, freches Stück Sommertheater gemacht.

Die vier Schauspieler, alle in historischen Kostümen mit Samtmänteln, seidenen Kniebundhosen und Schnallenschuhen verpuppen sich jeder in mindestens drei Rollen. Allerdings gelingt es nur Jule Zeman so richtig, die unterschiedlichen Rollen glaubhaft auszufüllen. Zeman spielt unter anderem die vermeintlich untreue sizilianische Königin.

Zwischendrin rappt ein Bauernpärchen „Volle Wolle – full wool“ und tanzt den „Schafschur-Reggae“ mit derb-zotigen Sprüchen. Das Publikum klatscht mit. Da auch Shakespeare durchaus seine Freude hatte an uneindeutig eindeutigen Anspielungen, macht die stark veränderte Textfassung durchaus Sinn. Langweilig und nervig sind höchstens die allzu flapsigen Überleitungen des Sprechers geraten, nach dem Motto: „Mmmh, ja und dann kriegten sie also noch’n Kind…“ clk

Bis 6. September dienstags bis samstags, 19.30 Uhr, Monbijoupark in Mitte, Eintritt zwischen 8 und 14 Euro – je nach Wochentag.

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