Berlin : Sicherheit ist lernbar

Grünen-Fraktion fordert Senat auf, mehr für die Verkehrserziehung zu tun – mit drei Projekten

Tanja Buntrock

Männlich, unter 25 Jahre alt und Autofahrer: Das ist die größte Risikogruppe bei Verkehrsunfällen. Autounfälle sind in dieser Altersgruppe die häufigste Todesursache. So wie vor zwei Wochen, als ein mit sieben Jugendlichen besetzter Opel Corsa ins Schleudern geriet und gegen einen geparkten Bus prallte. Drei Jugendliche starben dabei. In einem Antrag hat die Fraktion der Grünen den Senat nun aufgefordert, mehr Geld für Projekte zur Verkehrserziehung auszugeben. „Der Senat vernachlässigt seit Jahren die Verkehrserziehung und beschränkt sich auf das Verteilen von gelben Mützchen an Erstklässler“, klagt die verkehrspolitische Sprecherin Claudia Hämmerling – und stellte gestern drei Projekte zur Verkehrssicherheit vor.

Bei „Close to“ sollen junge Verkehrsstraftäter in den Fahrschulunterricht integriert werden. „Selbst Betroffene berichten den Fahranfängern und vermitteln ihnen somit mehr von Verkehrssicherheit, als wenn dies ausschließlich der Fahrlehrer tut“, erklärt Verkehrspsychologe Michael Walk, der das Projekt leitet. 40 000 Euro würden dafür vom Senat als finanzielle Beteiligung benötigt.

Aber auch umweltbewusstes Fahren soll junge Autofahrer dazu animieren, sich umsichtiger im Straßenverkehr zu bewegen. Im „Fahranfänger-Mobilitäts-Service“ (Famos) sollen junge Erwachsene die Möglichkeit erhalten, kostengünstig ein Erdgasfahrzeug zu mieten, nachdem sie ihren Führerschein erworben haben. „Fahranfänger können normalerweise nur unter schwierigen Bedingungen ein Auto mieten. Deshalb schaffen die meisten sich einen eigenen Wagen an“, sagt Fahrlehrer Lothar Taubert. Doch diese seien meist aus Kostengründen technisch nicht auf dem neuesten Stand, so dass ein Unfallrisiko bestehe. Taubert: „Außerdem setzen wir darauf, dass die Fahranfänger vorsichtiger sind, wenn sie in einem nagelneuen Auto umherfahren.“

Ein weiteres Modell, das die Grünen favorisieren, ist Verkehrserziehung an Schulen speziell für 16- und 17-Jährige. „Hier lernen die Schüler die theoretische Materie statt in der Fahrschule nun von einem Fahrlehrer in ihrer Schule“, sagt Claudia Hämmerling. Das habe den Vorteil, dass mehr als nur die vorgeschriebenen Inhalte wie „Gas, Kupplung, Bremse“ auf dem Plan stünden. Über den Antrag der Grünen wird am kommenden Mittwoch im Verkehrsausschuss entschieden.

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