Sicherheit : Kampf gegen den Kunstschwund

Wie viel Kunst in Berlin abhanden kommt, ist in der Kriminalstatistik nicht genau erfasst. Polizei und Privatdetektive arbeiten bei der Suche nach geraubten Bildern und Skulpturen zusammen.

Florian Ernst

Um über Kunstdiebstahl zu diskutieren, hatten sich eine Kunstdetektivin, ein Versicherungsmakler, ein Kunstgutachter und die Vertreterin einer Firma für Sicherheitstechnik am Mittwoch an einem besonderen Ort verabredet: in der Fasanengalerie in Charlottenburg. In der vergangenen Silvesternacht war sie zum Tatort eines spektakulären Kunstdiebstahls geworden. Unbekannte hatten der Galeristin Ulrike Erben 25 Bilder und acht Skulpturen im Gesamtwert von etwa 200 000 Euro gestohlen – darunter Radierungen, Lithografien und Skulpturen von Henri Matisse, Pablo Picasso, M.C. Escher und Georges Braque. Von den Kunstwerken fehlt bis heute jede Spur.

Nach den verschwundenen Werken fahndet nicht nur die Polizei, sondern auch die „Kunstdetektivin“ Anne Uhrlandt. Man unterstützt sich gegenseitig. Uhrlandt arbeitet für den privaten Dienstleister Art Loss Register, der gestohlene Kunstwerke in seiner Datenbank registriert und sie bei Auktionen und Kunsthändlern gegen Provisionen wieder aufspürt. Weltweit 210 000 gestohlene Kunstwerke sind dort registriert, jährlich kommen 10 000 dazu.

Wie viel Kunst in Berlin abhanden kommt, ist in der Kriminalstatistik nicht genau erfasst. In einer internen Zählung habe das Kunstkommissariat des Landeskriminalamts in den letzten fünf Jahren jährlich konstant zwischen 100 und 150 Fälle von Kunstdiebstahl in Galerien und Privathäusern registriert, sagte der Dezernatsleiter für qualifizierte Eigentumsdelikte, Dirk Jacob, dem Tagesspiegel. Das Kunstkommissariat ist ein Teil seines Bereichs. Viele Taten würden dort aber gar nicht gezählt, weil die Ermittler vor Ort nicht erkennen, dass es sich bei den gestohlenen Gegenständen um Kunstwerke handelt. Zudem gebe es eine Dunkelziffer, weil Geschädigte nicht alle Fälle anzeigten. Zum Teil aus Angst vor dem Finanzamt – oder weil einem Händler erst gar nicht auffällt, dass ihm etwas fehlt.

Die Zahl der Straftaten im Bereich Kunst insgesamt hat sich allerdings in den letzten fünf Jahren verfünffacht – vor allem Betrugsfälle und Fälschungen haben zugenommen. Insgesamt sei in Berlin 2008 ein Schaden von 2,2 Millionen Euro durch Kunstkriminalität entstanden.

Einig sind sich Dezernatsleiter Jacob und Kunstdetektivin Uhrlandt darin, dass die Chancen nicht schlecht stehen, dass Galeristin Erben ihre Bilder irgendwann wieder zurückbekommt. Im Kunstdiebstahl läge die Aufklärungsquote bei rund 30 Prozent und damit über dem Durchschnitt, so Jacob. Uhrlandt ist zuversichtlich, dass die Werke irgendwo wieder auftauchen, weil es „alles hochrangige Werke sind, die gut auf dem Markt gehandelt werden“. Florian Ernst

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