Berlin : Sie fühlen sich gut – sie stehen auf Berlin

Selten haben sich so viele Stars bei den Filmfestspielen so gut und so lange amüsiert. Und die Fans kommen deshalb voll auf ihre Kosten

Matthias Oloew

Dustin Hoffman tanzt früh morgens in der Disco, George Clooney spricht lange mit Fans, Nicolas Cage feiert auch zwei Tage nach der Premiere seines Films weiter: Die Hollywoodstars entdecken ihre Liebe zur Berlinale neu. Es sind diesmal so viele bedeutende Namen dabei wie schon lange nicht mehr, und die Stars genießen ihre Zeit in Berlin. Egal ob Nicole Kidman, Richard Gere oder Michael Douglas – sie freuen sich über die freundlichen Fans, die festliche Stimmung bei den Premieren, die ungezwungene Atmosphäre der Berlinale. Und natürlich funktioniert auch die Gruppendynamik: Sind erstmal ein Dutzend Hollywoodgrößen hier, braucht es nicht viel Überredungskunst, auch andere für einen Berlin-Besuch zu gewinnen.

So gute Chancen, ihre Leinwand-Lieblinge zu treffen, hatten Fans schon lange nicht mehr. Vor allem am roten Teppich. Da stehen die Superstars mitunter eine halbe Stunde in der Kälte, um möglichst viele Autogrammwünsche zu erfüllen. Aber auch in den Clubs oder auf der Straße ist es nicht ungewöhnlich, eine Hollywoodgröße zu treffen. „Die Stars fühlen sich eben sehr wohl in Berlin“, sagt Peter Schulze. Er betreut für den Verleih Twentieth Century Fox unter anderem George Clooney. Für Schulze sind es mehrere Aspekte, die das Festival so attraktiv machen: „Die Fans geben ihnen das Gefühl, geliebt zu werden. Nach den Premieren stehen die Schauspieler vor der Leinwand und bekommen langen Applaus, und die Festivalorganisation kümmert sich darum, dass sie wohlbehalten sind und bestens willkommen geheißen werden.“ Die Folge: „Die Stars gehen in ihrer wenigen freien Zeit raus und wollen dann auch mit im Gewühl dabei sein“, sagt Schulze. Daher ist es kein Wunder, wenn Dustin Hoffman noch morgens um zwei in der Disco „90 Grad“ tanzt.

„Man bekennt sich wieder zum Glamour“, analysiert der Deutschland-Chef von Columbia-Film, Jürgen Schau, das Phänomen. Er betreut vor allem Nicolas Cage und bewundert dessen Ausdauer: „Ich frage mich, wie er das aushält: Bis morgens vier, fünf auf den Feten in den Clubs, aber dann sitzt er pünktlich und fit um zehn Uhr früh da und ist bereit, seine Interviews zu absolvieren.“ Zuletzt feierte Cage bis Montag früh im Club „Cookies“ auf der Premierenparty zum deutschen Wettbewerbsfilm „Good bye, Lenin“.

Jürgen Schau sagt, dass für Berlin für Leinwandstars zurzeit die interessanteste Stadt nach New York ist. „Ost trifft West, die kreative Szene, abgedrehte Bars und Clubs, der Hauptstadt-Bonus, Checkpoint Charlie, aber auch das Image, das die Stadt einst durch den Film ,Cabaret‘ bekommen hat, ziehen die Leute in die Stadt.“ Von Berührungsängsten der Superstars ist bei dieser Berlinale jedenfalls nichts zu spüren. Schau arbeitet daran, als nächstes Jack Nicholson nach Berlin zu holen.

Jürgen Schau und Peter Schulze sind sich einig: Ein besonderer Bonus ist der unmittelbare Fan-Kontakt am roten Teppich. „Da sind die Stars richtig gerührt, weil sie wissen, dass viele Fans so lange in der Kälte ausharren“, sagt Schau. Richard Gere zum Beispiel freute sich über das Funkeln in den Augen seiner Bewunderer: „Da macht es einfach nur Spaß, Schauspieler zu sein“, hat er gesagt.

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