Berlin : Sie nannten ihn Bratwurst

Schaukampf vor exklusivem Publikum: Sandra Maischberger traf Karl Lagerfeld

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Zwei leere Stühle, eine spannende Frage: Auf welchen davon wird sich Karl Lagerfeld setzen? Wenn die Person wichtig genug ist, können auch Banalitäten zu Sensationen werden: „Karl Lagerfeld steht an der Rezeption seines Hotels am Gendarmenmarkt“, ließ der Leiter von C/O Berlin am Sonnabend wissen. Zehn Minuten später erreichte das wartende Publikum die nächste Blitznachricht: „Der Meister hat sich auf den Weg gemacht.“

Dann der Einzug ins Postfuhramt, wo, wie berichtet, derzeit Karl Lagerfelds Fotoausstellung „One Man Shown“ läuft: Das Licht ging aus, die Scheinwerfer an. Wie ein Boxring thronte das Podest in der Mitte der ehemaligen Betriebsturnhalle für Postbeamte. Zusammen mit der Moderatorin Sandra Maischberger sollte Deutschlands berühmtester Modedesigner über das Thema Fotografie sprechen – vor gerade mal 200 Zuhörern. Ein elitärer Kreis, wenn man bedenkt, dass sich die beiden zuvor schon für ein Millionenpublikum warm gemacht hatten: Sie kamen von einer halbstündigen Fernsehaufzeichung der ARD, waren also in Plauderlaune.

Der Schaukampf wurde dann recht kleinlich geführt. Da fragte Sandra Maischberger süffisant nach, warum Lagerfeld den Namen des amerikanischen Supermodels Brad, den der Designer hunderte Male für diese Ausstellung fotografiert hatte, deutsch wie „Brat“ aussprach. „Weil wir ihn immer Bratwurst genannt haben“, kam die Antwort. Also machte die Moderatorin ab da immer eine kleine Kunstpause vor jedem deutsch artikulierten „Brat“.

Das Thema Fotografie, zumal Lagerfelds eigene, wurde nur am Rande erwähnt. Und der folgende Dialog lässt einiges über die Qualität der gezeigten Bilder erahnen; Maischberger: „Warum sollten man sich 500 Fotos von einer Person anschauen?“ Lagerfeld: „Weil es das noch nicht gegeben hat.“

Eine kleine Warnung schickte er dann doch noch an seine Gesprächspartnerin: „Ich fang’ nie an. Ich bin harmlos. Aber wenn man mich herausfordert, habe ich eine endlose Geduld, Leuten den Stuhl wegzuziehen, wenn sie nicht mehr damit rechnen.“ Aber soweit ließ es Sandra Maischberger nicht kommen. Obwohl sie sich sogar überlegt hatte, als Karl Lagerfeld verkleidet in schwarzem Anzug und weißem Hemd mit hohem Kragen zu erscheinen, um den Meister ein wenig aus der Fassung zu bringen. Der winkte ab. Kurz vor Halloween habe ihn ein Freund angerufen und gefragt: „Bist du böse, wenn ich als du gehe?“ Touché.gth

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