Berlin : Sir Simon und die Kinder

120 Viertklässler inszenieren „Das Kind und der Zauberspuk“ von Maurice Ravel im Foyer der Philharmonie

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Von Anna Schmitz-Avila

Auf den ersten Blick scheinen es Verletzungen zu sein. Beim Näherkommen wird erkennbar: Es sind glücklicherweise nur schreiend bunte Buchstaben, die auf Armen und Händen der Kinder prangen. Die Viertklässler sagen stolz Tätowierung zu dem Gekritzel. Sie haben sich gegenseitig ihre n auf die Haut geschrieben. Am Ende spielen sie ein Spiel, bei dem der gewinnt, der die meisten Namen aufsagen kann, ohne sie abzulesen. Die Schüler miteinander bekannt zu machen, ist eines der Ziele der Zusammenarbeit mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung Simon Rattles. Seit vier Wochen üben nun schon die sechs Klassen des 4.Schuljahrs der Lenau-Grundschule in Kreuzberg, der Bernhard-Rose-Schule in Friedrichshain, der Nord-Grundschule in Zehlendorf und der Walter-Gropius-Schule in Neukölln für ihren heutigen Philharmonie-Auftritt (im Foyer um 17.30 Uhr, Eintritt frei). Rattle hat das Education-Programm „Zukunft@BPhil“ mit nach Berlin gebracht. Seine Vision ist es, einen kreativen Umgang mit Musik zu fördern, um Menschen aller Altersstufen, unterschiedlicher Herkunft und verschiedener Talente neu für klassische Musik zu gew€innen. Hierbei wird nicht auf Bildungsbrimborium gesetzt, sondern auf die Entfesselung der eigenen aktiven Fantasie.

Die Schulen unterschiedlichen Niveaus, die zum Teil eher mit sozialen Brennpunkten assoziiert werden, schufen zusammen ihre eigene Version der 1925 entstandenen Kinderoper „L’Enfant et les Sortilèges“ (Das Kind und der Zauberspuk) von Maurice Ravel. Ein bösartiges Kind zerstört in einem Wutanfall sein Kinderzimmer. Auf einmal erwachen all seine Stofftiere, Spielsachen und auch die Figuren auf der Tapete zum Leben. Zwölf Szenen wurden ausgewählt, welche von den Kindern musikalisch und schauspielerisch ganz nach ihren Vorstellungen in den Schulworkshops gestaltet wurden. Hierbei standen ihnen Mitglieder der Berliner Philharmoniker, ein Regisseur, zwei Kostümdesigner und die Lehrer zur Seite.

In den vergangenen Tagen wurden die Klassen mit ihren einzelnen Szenen in das Foyer der Philharmonie gebracht, wo sie zu einem Puzzle zusammengesetzt wurden. Sie probierten die Kostüme an, übten Lieder und besuchten die Generalprobe der „echten“ Ravel-Oper. Sie wird im Anschluss an die mit Drachen- und Fantasiefiguren bevölkerte Kindertraumwelt zu hören sein. So können die Kleinen den Großen noch etwas vormachen.

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