Berlin : Sitzungssäle werden wieder Baustelle

Christian van Lessen

Mit gravierenden Mängeln an Neubauten des Bundestages muss sich die parlamentarische Baukommission herumschlagen. Im Paul-Löbe-Haus sind zwar von 4200 entdeckten Schäden 90 Prozent inzwischen abgearbeitet, aber schwerer fallen nun vor allem Mängel in den Sitzungssälen ins Gewicht. Elektronik, Akustik und Belüftung seien nicht optimal, Fußböden müssten wieder herausgerissen, die Säle teilweise in den Zustand von Baustellen zurückversetzt werden, teilte gestern der Kommissionsvorsitzende Dietmar Kansy mit. Auch der rissige Terrazzo-Boden im Abgeordneten-Restaurant müsse entfernt werden. Die Arbeiten sollen in sitzungsfreier Zeit erfolgen.

Der beim rohbaufertigen Marie-Elisabeth- Lüders-Haus verwendete Sichtbeton ist nach Ansicht Kansys "so extrem schlecht", dass selbst die Baufirma eingesehen habe, ihn auf eigene Kosten auszubessern. Das Thema Sichtbeton werde in der Baukommission kontrovers diskutiert, er persönlich halte es für einen Fehler, dieses Material verwendet zu haben. Die Diskussion über Fasaden-Nachbesserungen auch des Paul-Löbe-Hauses bliebe aktuell.

Auch im vor fast drei Jahren eröffneten Reichstagsgebä ude gebe es noch immer "erhebliche Defizite" bei der elektronischen Leitzentrale. Die Kommission habe der Bundesbaugesellschaft "massiv Druck gemacht, die Schäden endlich in Ordnung zu bringen", sagte der CDU-Politiker.

Als Sicherheitsproblem gerade nach dem 11. September werde auch von der Polizei der Durchgangsverkehr auf der Konrad-Adenauer-Straße gesehen, der unter dem westlichen Vordach des Paul-Löbe-Hauses vorbeiführt, hieß es. Die Kommission habe sich an den Senat mit der Bitte gewandt, den Verkehr herauszunehmen oder bis zur Eröffnung des Nord-Süd-Tunnels eine Privatstraße einzurichten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar