Sky du Mont : Zeit für Gentlemanbeschimpfung

AUFTRITT DER WOCHE Sky du Mont spielt in der „Rocky Horror Show“ mit Für seine Rolle in dem Musical braucht er eine gewisse Leidensfähigkeit

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Foto: dapd/Clemans Bilan
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Strapse? Nicht an den Beinen Sky du Monts. Nö, Strapse will der Gentleman mit der tiefen Stimme und dem silbernen Haar nicht anziehen, auch nicht fürs Musical „Rocky Horror Show“, das ab Dienstag in den Admiralspalast kommt. Da gibt der Bösewicht aus „Schuh des Manitu“ den Erzähler, natürlich im Anzug. „Ich bleibe angezogen, das erspare ich dem Publikum“, sagt du Mont. Genug nackte Haut zeigen dafür die anderen Schauspieler. Mit Miedern und Strapsen bekleidet spielen sie das lüsterne Leben einer Horde transsexueller Außerirdischer in einem Schloss.

Richard O’Briens Rock’n’Roll-Musical aus den 70er Jahren ist längst Kult. Die Zuschauer kommen in Pumps und Dessous, werfen Reis und Klopapier auf die Bühne, tanzen im Saal und spritzen in der Gewitterszene mit Wasserpistolen. Und sie beschimpfen den Erzähler und buhen ihn aus. Für Sky du Mont, der vorher nur den Film kannte, eine Überraschung. „Der Erzähler hat die Arschkarte, er wird ständig beschimpft. Das war mir vorher gar nicht bewusst“, sagt er. Mit den Zuschauern hat er Verständnis, schließlich halte der Erzähler nur die Show auf. Trotzdem würde er keine andere Rolle übernehmen: „Ich kann nicht gut tanzen und nicht singen.“ Warum er dann mitmacht? Nach 20 Jahren habe er wieder live auf der Bühne stehen wollen. Und bei keinem Stück spiele das Publikum so mit.

Du Mont gibt nur in der ersten Spielwoche in den Abendshows den Erzähler, in der zweiten übernimmt sein Kollege Klaus Nierhoff. Du Mont freut sich auf Berlin. „Eine aufregende Stadt“, sagt er. „Dort geht man in die Kneipe und da steht nicht nur ein Mann in Nadelstreifen, der aus der Bank kommt, sondern auch ein Punk, der sein Bier trinkt.“ Wohnen will der 64-Jährige aber nicht in Berlin, wo er in den 70ern schon ein paar Jahre als Schauspieler am Schiller-Theater verbracht hat. Mit Ehefrau Mirja und den Kindern bleibt er lieber in Hamburg. Berlin sei zu anstrengend, was aber kein Votum gegen die Kodderschnauze und den Mix der Stadt bedeute. Du Mont gefällt, dass Berlin „nicht so Schickimicki“ sei. „Goldkettchen und Kaschmirpullover sind auch nicht mein Ding“, sagt er. Auch wenn so was in der Art oft bei ihm erwartet werde. Das Vorurteil des liebenswerten Mannes mit der altmodischen Gentlemanausstrahlung haftet ihm an. Seine Schwiegermutter sei geradezu überrascht gewesen, als er sich in Jeans und Turnschuhen vorgestellt habe.

Sky du Mont kann fast über alles lachen, zu seinen Rollen wahrt er stets eine ironische Distanz. Mit Absicht. „Mache jeden Witz über dich selbst, bevor ihn die anderen machen“, sagt er. Das habe er in England gelernt, wo er aufgewachsen ist. Ernst wird du Mont nur bei einem Thema: Boulevardmedien hatten im Sommer berichtet, seine Frau verlange von ihm, sich untenrum zu rasieren. „Alles gelogen, nicht ein Wort wahr“, sagt du Mont und schiebt noch ein paar unfreundliche Worte hinterher. Vielleicht kann er ja noch einiges geraderücken in dem zweiten Buch, das er gerade gemeinsam mit Ehefrau Mirja schreibt. Das Werk soll sich ums Zusammenleben von Mann und Frau drehen – laut Sky du Mont „die tägliche Krise“. Christoph Spangenberg

Rocky Horror Show, 1. bis 13. November im Admiralspalast. Die Tickets kosten zwischen 28 und 69,50 Euro. Karten gibt es beim Bestelltelefon des Tagesspiegels unter der Nummer 29 021-521, montags bis freitags von 7.30 bis 20 Uhr und sonnabends und sonntags von 8 bis 12 Uhr. Tickets sind auch im Tagesspiegel-Shop erhältlich. Der Laden ist montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr geöffnet und befindet sich im Verlagshaus am Askanischen Platz 3, direkt an der S-Bahnstation Anhalter Bahnhof.

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